Was ist der S&P 500?
Der S&P 500 (Standard & Poor's 500) ist ein Aktienindex, der die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA nach ihrer Marktkapitalisierung abbildet. Er wird von S&P Global (früher Standard & Poor's) berechnet und veröffentlicht und gilt weltweit als die wichtigste Benchmark für den US-Aktienmarkt und de facto für den globalen Aktienmarkt.
Der Index wurde 1957 in seiner heutigen Form eingeführt, basiert jedoch auf einem Vorläuferindex, der bis 1923 zurückreicht. Er deckt rund 80% der gesamten US-Börsenkapitalisierung ab und beinhaltet Unternehmen aus allen wichtigen Wirtschaftssektoren.
Als Kursindex mit Dividendenreinvestition (Total Return) erzielte der S&P 500 seit 1957 eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 10,7% in USD. Damit übertrifft er die meisten aktiv gemanagten Fonds über lange Zeiträume – ein Fakt, der von Studien (u.a. SPIVA-Report von S&P) regelmäßig bestätigt wird.
S&P 500 vs. Dow Jones – Was ist der Unterschied?
S&P 500
- 500 Unternehmen
- Nach Free-Float-Marktkapitalisierung gewichtet
- Repräsentativer für den US-Markt
- Von professionellen Investoren bevorzugt
- Seit 1957 (Vorläufer seit 1923)
Dow Jones Industrial Average
- Nur 30 Unternehmen
- Kursgewichtet (höherer Aktienkurs = mehr Gewicht)
- Ältester US-Index (seit 1896)
- Weniger repräsentativ, eher historisches Barometer
- Enthält z.B. kein Amazon (zu teuer für Dow-Methodik)
Aufnahmekriterien für den S&P 500
Die Zusammensetzung des S&P 500 wird von einem Komitee (S&P Index Committee) bestimmt und nicht rein mechanisch nach Marktkapitalisierung geregelt. Dies unterscheidet ihn von vielen anderen Indizes. Die wichtigsten Aufnahmekriterien:
- Sitz in den USA: Das Unternehmen muss seinen operativen Hauptsitz in den USA haben.
- Marktkapitalisierung: Mindestens 8,2 Milliarden USD Marktkapitalisierung (Stand 2024; dieser Wert wird regelmäßig angepasst).
- Liquidität: Der jährliche Handelsumsatz muss mindestens so hoch sein wie die Marktkapitalisierung des Streubesitzes (Liquiditäts-Ratio ≥ 1,0).
- Streubesitz: Mindestens 50% der Aktien müssen im Streubesitz sein.
- Positive GAAP-Gewinne: Das Unternehmen muss in den letzten vier Quartalen insgesamt und im letzten Quartal positive Gewinne nach US-GAAP ausgewiesen haben. Dies verhindert Aufnahmen verlustbringender Unternehmen.
- Börsennotierung: An NYSE, Nasdaq oder NYSE Arca gelistet.
Das GAAP-Gewinn-Kriterium hat dazu geführt, dass Unternehmen wie Tesla erst mit erheblicher Verzögerung aufgenommen wurden. Tesla wurde erst im Dezember 2020 in den S&P 500 aufgenommen, obwohl es nach Marktkapitalisierung schon lange zu den größten US-Unternehmen zählte – weil es erst ab 2020 dauerhaft positive GAAP-Gewinne auswies.
Top-10-Positionen im S&P 500
Die zehn größten Positionen im S&P 500 machen zusammen rund 35% des Gesamtgewichts aus. Diese extreme Konzentration auf wenige Tech-Konzerne ist ein wichtiges Merkmal des heutigen S&P 500:
| # | Unternehmen | Sektor | ungefähres Gewicht |
|---|---|---|---|
| 1 | Apple Inc. | Informationstechnologie | ~7% |
| 2 | Microsoft Corp. | Informationstechnologie | ~7% |
| 3 | Nvidia Corp. | Informationstechnologie | ~6% |
| 4 | Amazon.com Inc. | Nicht-Basiskonsumgüter | ~4% |
| 5 | Meta Platforms Inc. | Kommunikationsdienste | ~3% |
| 6 | Alphabet Inc. (A) | Kommunikationsdienste | ~2% |
| 7 | Alphabet Inc. (C) | Kommunikationsdienste | ~2% |
| 8 | Berkshire Hathaway (B) | Finanzen | ~2% |
| 9 | Eli Lilly & Co. | Gesundheitswesen | ~2% |
| 10 | Broadcom Inc. | Informationstechnologie | ~2% |
Interessant: Alphabet ist zweifach vertreten (Klasse A und C), da beide Aktienklassen separate Wertpapiere sind. Ebenso sind viele Unternehmen (wie Apple und Microsoft) gleichzeitig in Nasdaq-100 und S&P 500 enthalten.
Historische Rendite und Drawdowns
Der S&P 500 Total Return Index (mit reinvestierten Dividenden) erzielte seit 1957 eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 10,7% in USD. Betrachtet man nur den Kursindex ohne Dividenden, liegt die Rendite bei rund 7,5% p.a. Dividenden machen damit etwa 3% des jährlichen Ertrags aus.
Konkrete Rechenbeispiele
- 10.000 EUR Einmalanlage, 30 Jahre, 9% p.a. EUR-Rendite: ergibt rund 132.000 EUR
- 200 EUR Sparrate monatlich, 25 Jahre, 8% p.a.: ergibt rund 190.000 EUR
- 500 EUR Sparrate monatlich, 20 Jahre, 9% p.a.: ergibt rund 330.000 EUR
Wichtiger Hinweis: Die USD-Rendite von ~10,7% p.a. entspricht für EUR-Anleger nicht direkt dem EUR-Ertrag, da der Wechselkurs USD/EUR Schwankungen unterliegt. Historisch hat der EUR gegenüber dem USD langfristig nur leicht zugelegt, sodass die Rendite für DACH-Anleger in EUR meist leicht unter der USD-Rendite lag.
Größte Verlustphasen des S&P 500
| Zeitraum | Verlust (Kursindex) | Erholungszeit |
|---|---|---|
| Dotcom-Crash 2000–2002 | −49,1% | ca. 7 Jahre bis neues Allzeithoch |
| Finanzkrise 2007–2009 | −56,8% | ca. 5,5 Jahre bis neues Allzeithoch |
| Corona-Crash Feb.–Mrz. 2020 | −33,9% | ca. 6 Monate bis neues Allzeithoch |
| Zinserhöhungsphase 2022 | −19,4% | ca. 2 Jahre bis neues Allzeithoch |
Die Finanzkrise 2008/09 war mit einem Drawdown von −57% vom Hochpunkt (Oktober 2007) bis zum Tief (März 2009) der schlimmste Einbruch des S&P 500 in der neueren Geschichte. Wer in dieser Zeit investiert blieb oder sogar nachkaufte, erzielte in den Folgejahren außergewöhnlich hohe Renditen.
S&P 500 ETFs für DACH-Anleger
Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen mehrere UCITS-konforme S&P 500 ETFs zur Verfügung. Irisch domizilierte ETFs profitieren dabei von einem günstigen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und den USA: Die Quellensteuer auf US-Dividenden beträgt für irische Fonds nur 15% statt 30%.
| ETF | ISIN | TER p.a. | Replikation | Ausschüttung |
|---|---|---|---|---|
| iShares Core S&P 500 UCITS ETF (Acc) | IE00B5BMR087 | 0,07% | Physisch | Thesaurierend |
| Vanguard S&P 500 UCITS ETF (Acc) | IE00BFMXXD54 | 0,07% | Physisch | Thesaurierend |
| iShares Core S&P 500 UCITS ETF (Dist) | IE00B5BMR087 (USD) | 0,07% | Physisch | Ausschüttend |
| Vanguard S&P 500 UCITS ETF (Dist) | IE00B3XXRP09 | 0,07% | Physisch | Ausschüttend |
| Amundi S&P 500 UCITS ETF | LU1681048804 | 0,15% | Synthetisch | Thesaurierend |
Steuerliche Besonderheiten für DACH-Anleger
Deutschland: S&P 500 ETFs gelten als Aktien-ETFs (Aktienquote >50%) und profitieren von der 30%-Teilfreistellung. Effektiver Steuersatz: ~18,5% statt 26,375%. Thesaurierende ETFs unterliegen der Vorabpauschale (→ mehr zur Vorabpauschale).
Österreich: KESt von 27,5% auf Kapitalerträge. Keine Teilfreistellung. Österreichische Depotbanken führen die Steuer automatisch ab.
Schweiz: Keine Kapitalgewinnsteuer auf Wertpapiergewinne für Privatanleger. Ausschüttungen unterliegen jedoch der Verrechnungssteuer (35%), die vollständig zurückgefordert werden kann.
Häufig gestellte Fragen zum S&P 500
Was ist der Unterschied zwischen S&P 500 und Dow Jones?
Der Hauptunterschied liegt in der Anzahl der Unternehmen und der Berechnungsmethode. Der S&P 500 enthält 500 Unternehmen und wird nach Free-Float-Marktkapitalisierung gewichtet. Ein größeres Unternehmen hat mehr Einfluss als ein kleineres. Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) enthält nur 30 Unternehmen und ist kursgewichtet: Eine Aktie mit einem höheren Kurswert (nicht Marktwert) hat mehr Einfluss, unabhängig von der tatsächlichen Unternehmensgröße. Das macht den Dow methodisch unlogisch und weniger repräsentativ. Professionelle Investoren und Akademiker nutzen daher fast ausschließlich den S&P 500 als Benchmark.
Welche ETFs auf den S&P 500 sind für DACH-Anleger am besten?
Die günstigsten und bekanntesten S&P 500 ETFs für DACH-Anleger sind der iShares Core S&P 500 UCITS ETF (IE00B5BMR087, TER 0,07%) und der Vanguard S&P 500 UCITS ETF (IE00B3XXRP09 oder IE00BFMXXD54, TER 0,07%). Beide sind in Irland domiziliert, was steuerlich vorteilhaft ist (15% statt 30% US-Quellensteuer auf Dividenden). Sie sind an XETRA, Euronext und anderen europäischen Börsen handelbar. Für Sparpläne sind beide bei den meisten deutschen und österreichischen Brokern verfügbar, häufig sogar kostenlos. Für Schweizer Anleger sind sie an der SIX verfügbar.
Wie hoch war der maximale Verlust im S&P 500?
Der schlimmste Drawdown des S&P 500 war während der Finanzkrise 2008/09: Vom Hochpunkt im Oktober 2007 fiel der Index bis zum Tief im März 2009 um rund −56,8% (Kursindex). Davor verlor der Index während des Dotcom-Crashs 2000–2002 rund −49,1%. Beide Male dauerte die vollständige Erholung auf das vorherige Allzeithoch mehrere Jahre (Finanzkrise: ca. 5,5 Jahre; Dotcom: ca. 7 Jahre). Wer in diesen Phasen investiert blieb oder nachkaufte, erzielte jedoch in den Folgejahren außergewöhnliche Renditen. Langfristig gab es noch keine 20-Jahres-Periode mit negativer S&P 500 Rendite (Total Return).
Wie werden S&P 500 ETFs in Deutschland besteuert?
S&P 500 ETFs mit einer Aktienquote über 50% profitieren in Deutschland von der Teilfreistellung von 30%. Das bedeutet: Nur 70% der Erträge (Ausschüttungen, realisierte Kursgewinne, Vorabpauschale) unterliegen der Abgeltungssteuer von 25% + ggf. Solidaritätszuschlag 5,5%. Ohne Solidaritätszuschlag (gilt seit 2021 für die meisten Steuerpflichtigen) beträgt der effektive Steuersatz damit: 70% × 25% = 17,5%. Mit Soli: 70% × 26,375% = 18,46%. Der Sparer-Pauschbetrag (1.000 EUR/Jahr Einzel; 2.000 EUR Paare) sollte über einen Freistellungsauftrag beim Broker ausgeschöpft werden.
Welche Aufnahmekriterien gelten für den S&P 500?
Der S&P 500 wird nicht rein mechanisch berechnet, sondern von einem Komitee (S&P Index Committee) verwaltet. Die wichtigsten Aufnahmekriterien: Sitz in den USA, Marktkapitalisierung mindestens 8,2 Milliarden USD (wird regelmäßig erhöht), mindestens 50% Streubesitz, ausreichende Liquidität sowie positive GAAP-Gewinne in den letzten vier Quartalen insgesamt und im letzten Quartal. Das Gewinnkriterium ist besonders streng – es verhinderte lange die Tesla-Aufnahme. Tesla erfüllte die Bedingungen erst 2020 und wurde dann mit großem Aufsehen im Dezember 2020 in den Index aufgenommen.