DAX – Der Deutsche Aktienindex

Seit 1988 misst der DAX die Performance der 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Er ist das wichtigste Börsenbarometer im deutschsprachigen Raum und weltweit bekannt.

40
Unternehmen (seit Sept. 2021)
1988
Gründungsjahr (Basiswert 1.000)
~8–9%
Durchschn. Rendite p.a. (seit 1988)
Perf.-Index
Dividenden reinvestiert

Was ist der DAX?

Der DAX (Deutscher Aktienindex) ist der wichtigste Aktienindex Deutschlands und eines der bekanntesten Börsenbarometer Europas. Er bildet die Wertentwicklung der 40 größten und liquidesten deutschen Unternehmen ab, die an der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) im Segment Prime Standard gelistet sind.

Der Index wird von der Deutschen Börse AG berechnet und veröffentlicht. Gehandelt wird er über das vollelektronische Handelssystem XETRA. Notiert wird der DAX in Punkten – gestartet am 1. Juli 1988 mit einem Basiswert von 1.000 Punkten.

Wichtig zu verstehen: Der bekannte DAX-Wert ist ein Performance-Index. Das bedeutet, dass Dividendenausschüttungen rechnerisch in den Index reinvestiert werden. Dies ist international ungewöhnlich – die meisten bekannten Indizes (S&P 500, Nasdaq, MSCI World) sind Kursindizes. Wer den DAX also mit dem S&P 500 vergleicht, muss diesen Unterschied berücksichtigen.

Den reinen Kursindex des DAX nennt man DAXK (DAX Kursindex). Er gibt an, wie sich die Kurse der 40 Unternehmen ohne Dividenden entwickelt haben – und ist deutlich niedriger als der Performance-Index.

Geschichte des DAX

Der DAX wurde am 1. Juli 1988 von der Frankfurter Wertpapierbörse und dem Statistischen Amt der Börse eingeführt. Federführend war der Finanzjournalist Frank Mella. Der Startpunkt wurde rückgerechnet auf den 30. Dezember 1987 mit einem Basiswert von 1.000 Punkten.

Von seiner Einführung bis September 2021 enthielt der DAX exakt 30 Unternehmen – daher war er international auch als "DAX 30" bekannt. Am 20. September 2021 erfolgte die historische Erweiterung auf 40 Mitglieder. Gleichzeitig führte die Deutsche Börse strengere Aufnahmekriterien ein: Unternehmen müssen nun zwei Jahre in Folge positive EBITDA-Zahlen vorweisen.

Bedeutende DAX-Meilensteine:

  • 1988: Start bei 1.000 Punkten am 1. Juli 1988
  • 1999: Erstmals über 8.000 Punkte im Zuge des Dotcom-Booms
  • 2000: Allzeithoch von 8.136 Punkten im März 2000
  • 2003: Tief bei 2.188 Punkten nach dem Dotcom-Crash (−73%)
  • 2007: Neues Rekordhoch über 8.100 Punkte
  • 2009: Finanzkrise: Tief bei 3.666 Punkten
  • 2015: Erstmals über 12.000 Punkte
  • 2021: Erstmals über 16.000 Punkte & Erweiterung auf 40 Werte
  • 2024: Allzeithochs über 20.000 Punkte

Aufnahmekriterien: Wer kommt in den DAX?

Die Deutsche Börse überprüft die Zusammensetzung des DAX vierteljährlich. Die Kriterien wurden zuletzt im September 2021 verschärft:

  • Prime Standard: Das Unternehmen muss im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sein – dem strengsten Transparenzsegment der FWB.
  • Marktkapitalisierung des Streubesitzes: Das Unternehmen muss unter den Top 40 nach Free-Float-Marktkapitalisierung rangieren.
  • Handelsliquidität: Es gelten Mindestumsatzanforderungen im XETRA-Handel.
  • Operativer Sitz: Mehrheitlicher Umsatz, Gewinne oder Beschäftigung in Deutschland oder deutsche Hauptbörsennotierung.
  • Positive EBITDA: Seit 2021 müssen Unternehmen in den letzten zwei Geschäftsjahren jeweils ein positives EBITDA ausgewiesen haben.
  • Berichterstattung: Quartalsberichte müssen veröffentlicht werden.

Aufnahmen und Entlassungen aus dem Index finden zu festgelegten Terminen statt – in der Regel im März, Juni, September und Dezember. Außerordentliche Änderungen sind bei Unternehmensfusionen oder Insolvenzen möglich.

Berechnung und Gewichtung

Der DAX ist ein nach Free-Float-Marktkapitalisierung gewichteter Index. Das bedeutet: Je größer die am Markt frei handelbare Marktkapitalisierung eines Unternehmens, desto höher sein Gewicht im Index. Die Gewichtung eines einzelnen Unternehmens ist auf maximal 10% begrenzt (Capping-Regel), die vierteljährlich überprüft wird.

Zusätzlich gibt es eine sektorale Diversifikationsregel: Kein einzelner Sektor darf dauerhaft extrem dominieren. Diese Regeln sollen Klumpenrisiken minimieren.

Top-10-Positionen im DAX

Die Zusammensetzung des DAX spiegelt die Struktur der deutschen Wirtschaft wider: Industriekonzerne, Chemie, Versicherungen, Automobil und Technologie dominieren. Die folgende Tabelle zeigt die zehn größten Positionen nach Marktkapitalisierung (Gewichtung kann durch Überprüfungszyklen variieren):

#UnternehmenSektorungefähres Gewicht
1SAP SESoftware / IT~15%
2Siemens AGIndustrie / Technologie~9%
3Allianz SEVersicherungen~8%
4Deutsche Telekom AGTelekommunikation~7%
5BASF SEChemie~4%
6Munich ReRückversicherung~4%
7Merck KGaAPharma / Life Science~3%
8BMW AGAutomobil~3%
9Volkswagen AG (Vz.)Automobil~3%
10Bayer AGPharma / Agrarchemie~3%
Live-Kurse: Aktuelle DAX-Kurse und Echtzeitdaten sind über die Deutsche Börse (boerse-frankfurt.de), Onvista oder Finanzen.net abrufbar. Börsenkurse unterliegen einer Verzögerung von mindestens 15 Minuten auf Finanzinformationsportalen. Für Echtzeitkurse ist ein Depot bei einem Broker erforderlich.

Historische Rendite und Performance

Der DAX Performance-Index erzielte seit seiner Auflegung 1988 eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 8–9% pro Jahr. Diese Zahl beinhaltet alle Dividendenwiederanlagen und berücksichtigt alle großen Crashs und Krisen der vergangenen Jahrzehnte.

Zum Vergleich: Der DAX Kursindex (ohne Dividenden) erzielte im gleichen Zeitraum nur etwa 4–5% p.a. Dies verdeutlicht die enorme Bedeutung der Dividendenreinvestition für den langfristigen Vermögensaufbau.

Größte Verlustphasen des DAX

  • Dotcom-Crash 2000–2003: −72,7% vom Hoch (8.136 Punkte) bis zum Tief (2.188 Punkte). Dauer: ca. 3 Jahre.
  • Finanzkrise 2007–2009: −55,5% vom Hoch (8.151 Punkte) bis zum Tief (3.666 Punkte). Erholung: bis 2013.
  • Corona-Crash 2020: −38,9% in nur 5 Wochen. Erholung: vollständig innerhalb von 7 Monaten.
  • Russland/Ukraine/Zinserhöhungen 2022: −19,2% im Jahresverlauf.

Trotz dieser extremen Verlustphasen zeigt die langfristige Betrachtung: Wer mindestens 15 Jahre im DAX investiert blieb, hat historisch gesehen immer eine positive Rendite erzielt.

DAX vs. Weltmarkt

Im direkten Vergleich schneidet der DAX im letzten Jahrzehnt etwas schwächer ab als der MSCI World oder S&P 500, vor allem wegen der starken Gewichtung zyklischer Industrien (Auto, Chemie) und der vergleichsweise geringen Tech-Gewichtung. SAP ist bislang das einzige echte Technologieunternehmen mit großem Gewicht. Dafür profitiert der DAX stark von globalen Wirtschaftsaufschwüngen durch seine exportintensiven Unternehmen.

DAX für Anleger aus Österreich und der Schweiz

Der DAX ist der Heimatindex für deutsche Anleger, aber auch für Anleger aus Österreich und der Schweiz von hoher Relevanz. Als größte Volkswirtschaft im deutschsprachigen Raum prägt die deutsche Wirtschaft das gesamte DACH-Gebiet.

DAX-ETFs für DACH-Anleger

Anleger in Österreich und der Schweiz können über alle gängigen Online-Broker DAX-ETFs kaufen. Diese ETFs sind in der Regel als UCITS-konforme Produkte aufgelegt und damit für den europäischen Markt zugelassen. Relevante ETFs:

  • iShares Core DAX UCITS ETF (DE0005933931): Einer der größten und liquidesten DAX-ETFs. TER 0,16% p.a. Aufgelegt in Deutschland, thesaurierend.
  • Xtrackers DAX UCITS ETF (LU0274211480): TER 0,09% p.a. Luxemburgisch domiziliert, ausschüttend und thesaurierend verfügbar.
  • Amundi DAX UCITS ETF (LU1681048804): TER 0,10% p.a. Günstige Alternative von Amundi.

Steuerliche Besonderheiten

Deutschland: Kapitalerträge aus DAX-ETFs unterliegen der Abgeltungssteuer (25% + Soli). Thesaurierende ETFs sind von der Vorabpauschale betroffen. Weitere Details unter Abgeltungssteuer und Vorabpauschale.

Österreich: Kapitalerträge unterliegen der KESt (Kapitalertragsteuer) von 27,5%. Österreichische Depotbanken führen diese automatisch ab.

Schweiz: In der Schweiz gibt es keine Kapitalgewinnsteuer auf Wertpapiergewinne für Privatanleger. Dividenden und ausschüttende ETFs unterliegen jedoch der Verrechnungssteuer (35%), die über die Steuererklärung zurückgefordert werden kann.

Häufig gestellte Fragen zum DAX

Wie viele Unternehmen sind im DAX enthalten?

Seit September 2021 enthält der DAX 40 Unternehmen. Zuvor waren es seit der Gründung im Jahr 1988 stets 30 Unternehmen – weshalb der Index international oft als "DAX 30" bekannt war. Die Erweiterung auf 40 Mitglieder wurde von der Deutschen Börse beschlossen, um den Index breiter aufzustellen und Deutschland als Finanzplatz attraktiver zu machen. Gleichzeitig wurden damals der MDAX von 60 auf 50 Unternehmen verkleinert.

Was ist der Unterschied zwischen DAX Performance-Index und DAX Kurs-Index?

Der bekannte DAX ist ein Performance-Index: Dividendenausschüttungen der enthaltenen Unternehmen werden rechnerisch wieder in den Index reinvestiert. Dies führt dazu, dass der Performance-Index deutlich höher notiert als der Kurs-Index. Der Kurs-Index (DAXK) bildet dagegen nur die reine Kursentwicklung der 40 Unternehmen ab, ohne Dividenden. International ist das ungewöhnlich – der S&P 500 oder der Nikkei sind beispielsweise Kursindizes. Wer den DAX mit ausländischen Indizes vergleicht, sollte daher immer den Total-Return-Index des Vergleichsindex heranziehen oder den DAX-Kursindex verwenden.

Welche historische Rendite erzielte der DAX?

Der DAX Performance-Index erzielte seit seiner Einführung im Jahr 1988 eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 8–9% pro Jahr. Dabei sind alle Dividenden reinvestiert und alle großen Krisen berücksichtigt – Dotcom-Crash (−73%), Finanzkrise (−55%), Corona-Crash (−39%). Wer 1988 einmalig 10.000 DM investiert hätte, besäße heute ein Vielfaches davon. Bei 8,5% p.a. über 35 Jahre wächst ein Betrag von 10.000 EUR auf rund 166.000 EUR – ohne weiteres Zutun.

Kann ich als Anleger aus Österreich oder der Schweiz in den DAX investieren?

Ja, uneingeschränkt. Anleger aus Österreich und der Schweiz können über jeden internationalen Online-Broker DAX-ETFs kaufen. Die relevanten DAX-ETFs sind als UCITS-konforme Produkte aufgelegt und damit für alle EU/EWR-Anleger sowie in der Schweiz zugelassen. Plattformen wie Trade Republic, Scalable Capital, Interactive Brokers oder Swissquote bieten DAX-ETFs an. Die steuerliche Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Wohnsitzland (AT: KESt 27,5%; CH: keine Kapitalgewinnsteuer, aber Verrechnungssteuer auf Dividenden).

Welche Aufnahmekriterien gelten für den DAX?

Seit September 2021 gelten strengere Kriterien: Ein Unternehmen muss im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sein, muss nach Free-Float-Marktkapitalisierung unter den Top 40 rangieren, ausreichende XETRA-Handelsliquidität aufweisen und in den letzten zwei Geschäftsjahren jeweils ein positives EBITDA gemeldet haben. Quartalsberichte sind Pflicht. Die Überprüfung findet vierteljährlich statt. Das Profitabilitätskriterium wurde nach dem Wirecard-Skandal eingeführt – Wirecard war bis 2020 im DAX und musste nach der Insolvenz kurzfristig entfernt werden.