Aktien für Einsteiger: Was man vor dem ersten Kauf wissen sollte

Kein kompliziertes System, keine teuren Kurse: Was Einsteiger wirklich brauchen, um mit dem Investieren anzufangen – in fünf konkreten Schritten.

Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Schritt 1: Grundlagen verstehen

Bevor die erste Investition getätigt wird, lohnt es sich, zwei fundamentale Konzepte zu verstehen – nicht weil das Investieren kompliziert ist, sondern weil Verstehen Nervenstärke in schwierigen Phasen gibt.

Was ist eine Aktie? Eine Aktie ist ein Bruchteil des Eigenkapitals eines Unternehmens. Wer eine Apple-Aktie kauft, wird zum kleinen Teil Miteigentümer von Apple – mit allen Rechten (Dividende, Stimmrecht bei der Hauptversammlung) und Risiken (Kursverlust, im Extremfall Insolvenz).

Was ist ein ETF? Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet. Ein MSCI-World-ETF kauft automatisch Aktien aller 1.400+ Unternehmen im MSCI-World-Index und gibt die Marktentwicklung 1:1 weiter. ETFs sind passiv – es gibt keinen Fondsmanager, der aktiv auswählt, was die Kosten drastisch senkt (0,07–0,20% p.a. statt 1,0–2,0% bei aktiven Fonds).

Schritt 2: Finanzsituation klären

Vor der ersten Investition sind zwei Bedingungen zu prüfen:

  1. Notfallfonds: Als Faustregel gelten 3–6 Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto. Wer diesen Puffer nicht hat, riskiert, Aktien zu einem schlechten Zeitpunkt verkaufen zu müssen.
  2. Zeithorizont: Wann wird das Geld benötigt? Aktien sind für Zeiträume von mindestens 5–10 Jahren geeignet. Wer in drei Jahren ein Haus kaufen will, sollte das dafür nötige Kapital nicht in Aktien stecken.

Schritt 3: Depot eröffnen

Um Aktien oder ETFs zu kaufen, braucht man ein Wertpapierdepot. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es verschiedene Anbietertypen:

  • Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital, Flatex in DE/AT): Niedrige Ordergebühren (oft 1 Euro oder weniger), einfache App-Bedienung, ideal für Einsteiger. ETF-Sparpläne oft kostenlos.
  • Online-Broker (ING, Comdirect, DKB in DE; Raiffeisen Online Broker in AT): Breites Produktangebot, guter Service, etwas höhere Kosten.
  • Hausbank (Sparkasse, Volksbank, Raiffeisen, Kantonalbanken CH): Persönliche Beratung, oft höhere Gebühren.
  • Schweiz: Swissquote ist der bekannteste Schweizer Online-Broker.

Die Depot-Eröffnung dauert meist 1–3 Werktage und erfolgt vollständig online inklusive Video-Ident.

Schritt 4: ETF oder Einzelaktien?

Für die meisten Einsteiger empfiehlt die akademische Forschung einen einfachen Einstieg über breite ETFs:

  • Sofortige Diversifikation über tausende Unternehmen
  • Keine aufwendige Analysearbeit erforderlich
  • Sehr niedrige laufende Kosten
  • Automatischer Sparplan möglich
  • Historisch schlägt die Mehrheit der Einzelaktienportfolios und aktiven Fonds langfristig der Marktindex

Wer trotzdem in Einzelaktien einsteigen möchte, sollte mindestens 15–20 verschiedene Unternehmen aus verschiedenen Sektoren halten, um unsystematisches Risiko zu reduzieren.

Schritt 5: Investieren – Einmalinvestition oder Sparplan

Lump Sum Investing (Einmalinvestition): Statistische Studien (u.a. Vanguard 2012) zeigen, dass ein sofortiges Investieren des verfügbaren Kapitals im Durchschnitt besser abschneidet als schrittweises Investieren – weil Zeit im Markt renditegebend ist. In zwei von drei Fällen ist sofortiges Investieren besser als Cost Averaging.

ETF-Sparplan (Cost Averaging): Wer monatlich spart, automatisiert den Prozess vollständig. Man kauft auch wenn Kurse fallen und profitiert vom Durchschnittseffekt. Sparpläne erfordern keinerlei Timing-Entscheidungen und sind damit für viele Einsteiger der psychologisch einfachere Weg.

Die häufigsten Anfängerfehler

  • "Ich warte auf den richtigen Zeitpunkt": Dieser Zeitpunkt kommt nie. Zeit im Markt schlägt Timing im Markt – das belegen Jahrzehnte an Daten.
  • In Hype-Aktien oder Trends investieren: Was medial gehypt wird, ist meist schon teuer bewertet. Krypto-Boom, Wasserstoff, Meme-Aktien – viele Einsteiger kauften genau am Höhepunkt.
  • Bei Kursrückgängen panisch verkaufen: Wer im Corona-Crash März 2020 verkaufte, verpasste die anschließende Erholung von +80% innerhalb eines Jahres.
  • Zu viel Zeit mit Kursen verbringen: Tägliches Kursschauen erzeugt emotionalen Stress ohne Mehrwert. Langfristige Investoren profitieren von mentaler Distanz zur kurzfristigen Volatilität.
  • Zu wenig Diversifikation: Alle Mittel in ein oder zwei Aktien zu stecken ist das gefährlichste Muster für Einsteiger.
  • Zu viele Informationen gleichzeitig: Finanzmedien produzieren täglich Nachrichten, die den Eindruck erwecken, man müsse ständig reagieren. Für langfristige Anleger ist das Rauschen, kein Signal.

Was Einsteiger NICHT brauchen

Entgegen der Werbung von Finanzkurs-Anbietern und Trading-Plattformen brauchen Einsteiger keine komplizierten Strategien, keine technische Analyse, kein aktives Tageshandeln und keine teuren Seminare. Was wirklich hilft: ein einfacher ETF-Sparplan, ein langer Zeithorizont, und die emotionale Disziplin, auch in Krisenphasen zu halten.

Der einfachste Startpunkt für einen Einsteiger: Ein Neobroker-Konto eröffnen, einen monatlichen ETF-Sparplan auf einen globalen Index (z.B. MSCI World oder FTSE All-World) einrichten, und die Anlage mindestens 10–15 Jahre laufen lassen. Keine weiteren Entscheidungen nötig.

Häufige Fragen

Wie viel Geld braucht man, um mit Aktien anzufangen?

Viele Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital in DE/AT) ermöglichen ETF-Sparpläne ab 1 Euro monatlich. Für sinnvolle Einzelaktienportfolios sind 1.000–5.000 Euro ein praktischer Startpunkt, weil Transaktionskosten sonst überproportional hoch sind. Viel wichtiger als der Startbetrag ist der langfristige Anlagehorizont: Kleine regelmäßige Beträge über 20–30 Jahre erzielen durch den Zinseszinseffekt beeindruckende Ergebnisse.

Was ist der Unterschied zwischen Aktie und ETF für Einsteiger?

Eine Aktie ist ein Anteil an einem einzelnen Unternehmen – Chancen und Risiken konzentrieren sich auf diese eine Firma. Ein ETF (Exchange Traded Fund) bündelt viele Aktien in einem Produkt: Ein MSCI-World-ETF enthält über 1.400 Unternehmen aus 23 Ländern. Für Einsteiger sind ETFs meist einsteigerfreundlicher: sofortige Diversifikation, weniger Analyseaufwand, sehr niedrige Kosten (Gesamtkostenquote ab 0,07% p.a.).

Was sind die häufigsten Anfängerfehler beim Investieren?

Die häufigsten Fehler: Zu lange auf den "richtigen Zeitpunkt" warten, in Hype-Aktien oder Trends investieren, bei Kursrückgängen panisch verkaufen und die Erholung verpassen, das Investment inhaltlich nicht verstehen, tägliche Kursbeobachtung betreiben (führt zu emotionalen Fehlentscheidungen) und zu wenig Diversifikation (alles auf eine oder zwei Aktien setzen).

Soll man alles auf einmal oder schrittweise investieren?

Statistische Studien (u.a. Vanguard 2012) zeigen, dass Einmalanlage ("Lump Sum Investing") bei langem Zeithorizont in rund zwei von drei Fällen besser abschneidet als schrittweises Investieren. Psychologisch fällt Cost Averaging (monatlicher Sparplan) jedoch vielen leichter: Man kauft auch bei fallenden Kursen und muss keine Timing-Entscheidung treffen. Für den typischen Einsteiger, der monatlich spart, ist der Sparplan die natürliche Lösung.

Braucht man viel Zeit für die Aktienanlage?

Nein. Ein ETF-Sparplan läuft vollautomatisch – einmal einrichten, dann läuft er von allein. Wer in Einzelaktien investiert, sollte mehr Zeit für Research einplanen. Aber auch hier gilt: Weniger handeln ist für langfristige Anleger oft besser als mehr handeln. Tägliche Kursbeobachtung ist kontraproduktiv – sie führt zu mehr emotionalen Fehlentscheidungen. Das Ideal: Einrichten und möglichst wenig anfassen.