Aktien sind Anteile an wachsenden Unternehmen
Der fundamentalste Grund für den langfristigen Aufwärtstrend von Aktien ist einfach: Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Unternehmen produzieren Güter und Dienstleistungen, stellen Menschen ein, innovieren und wachsen. In einer wachsenden Wirtschaft wachsen im Durchschnitt auch die Unternehmensgewinne.
Die wirtschaftliche Logik dahinter: Das nominale BIP-Wachstum (reales Wirtschaftswachstum plus Inflation) treibt Unternehmensgewinne langfristig nach oben. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wuchs das nominale BIP über lange Zeiträume im Schnitt 3–5% pro Jahr. Aktien, als Anteile an der produktiven Wirtschaft, partizipieren an diesem Wachstum.
Hinzu kommen Produktivitätssteigerungen: Durch Technologie, bessere Prozesse und Skalierung produzieren Unternehmen im Laufe der Zeit mehr mit weniger Input. Diese Effizienzgewinne fließen den Aktionären zu – in Form von höheren Gewinnen oder steigendem Unternehmenswert.
Und schließlich: Innovation schafft völlig neue Märkte. In den 1990ern gab es keine Smartphones, keine sozialen Netzwerke, kaum E-Commerce. Heute sind diese Industrien Billionen wert. Aktionäre, die breit investiert waren, profitierten von Beginn an.
Survivorship Bias: Indizes zeigen nur die Gewinner
Ein wichtiger, oft übersehener Faktor: Survivorship Bias. Aktienindizes wie der DAX, S&P 500 oder MSCI World enthalten immer die aktuell erfolgreichsten und überlebenden Unternehmen eines Marktes.
Wenn ein Unternehmen scheitert – durch Insolvenz, Übernahme oder starken Bedeutungsverlust –, fliegt es aus dem Index und wird durch ein erfolgreicheres Unternehmen ersetzt. Der DAX von heute enthält andere Unternehmen als der DAX von 2000: Wirecard ist weg, Infineon war zeitweise draußen, neue Unternehmen sind hinzugekommen.
Das bedeutet: Wenn man die Performance eines Index über 30 Jahre misst, misst man de facto die Überlebensrate und das Wachstum der besten Unternehmen – nicht den Durchschnitt aller Unternehmen inklusive derer, die scheiterten. Die historische Indexrendite ist deshalb systematisch etwas besser als die durchschnittliche Aktienrendite.
Dies ist kein Argument gegen Aktien, sondern ein Argument für Index-Investing: Wer einen breit gestreuten Marktindex kauft, profitiert automatisch vom Survivorship-Prinzip: Schlechte Unternehmen werden aussortiert, gute kommen hinein. Das Portfolio hält sich selbst aktuell.
Die historischen Zahlen: MSCI World und S&P 500
Der MSCI World erzielte seit ca. 1970 eine nominale Rendite von rund 9–10% pro Jahr (inklusive Dividenden). Real, also nach Abzug der Inflation, liegt die Rendite bei etwa 6–7% pro Jahr. Auf 30 Jahre bedeutet das: 10.000 Euro wachsen bei 7% realer Rendite auf rund 76.000 Euro.
Der S&P 500 (USA) erzielte seit 1926 rund 10% p.a. nominal, ca. 7% real. Das entspricht einer Verdoppelung des realen Vermögens alle rund 10 Jahre.
Wichtig: Diese Zahlen sind Langfristdurchschnitte über viele Jahrzehnte. Einzelne Jahrzehnte können stark abweichen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (2000–2010) war für US-Aktien verloren ("Lost Decade") – wer nur 10 Jahre Zeit hatte und 2000 einstieg, machte kaum Gewinn.
Japan: Das wichtigste Gegenbeispiel
Wer behauptet, Aktien steigen "immer" langfristig, muss sich mit Japan auseinandersetzen. Der Nikkei 225 erreichte seinen historischen Höchststand am 29. Dezember 1989 bei 38.957 Punkten – auf dem Höhepunkt einer gewaltigen Immobilien- und Aktienbewertungsblase.
Was folgte, war jahrzehntelanges Leiden: Der Nikkei fiel auf unter 8.000 Punkte (2003), erholte sich, fiel erneut auf 7.000 Punkte (2009). Erst im Februar 2024 – also 35 Jahre nach dem Allzeithoch – überschritt der Nikkei erstmals wieder den Stand von 1989. Ein japanischer Anleger, der 1989 investierte und ein Leben lang hielt, erzielte über 35 Jahre nahezu null Rendite nominal – und deutlich negative reale Rendite wegen der Deflation.
Die Ursachen für Japans "verlorene Jahrzehnte": Platzen einer extremen Kredit- und Vermögenspreisblase, demographischer Wandel (alternde Bevölkerung, sinkende Arbeitskräfte), hartnäckige Deflation, mangelnde Strukturreformen. Diese Kombination ist ungewöhnlich – aber sie zeigt: Länderrisiko ist real.
Die Lehre aus Japan: Globale Diversifikation schützt vor dem Szenario, zum falschen Zeitpunkt in das falsche Land investiert zu haben. Wer 1989 nicht nur in Japan, sondern global über einen MSCI-World-ähnlichen Index investiert hatte, erzielte auch über diese 35 Jahre solide Gewinne – weil US-Aktien, europäische Aktien und spätere Schwellenländermärkte die Japan-Schwäche mehr als kompensierten.
Häufige Fragen
Warum steigen Aktien langfristig?
Unternehmen partizipieren am Wirtschaftswachstum. Das nominale BIP-Wachstum (reales Wachstum plus Inflation) treibt die Unternehmensgewinne langfristig nach oben. Aktionäre profitieren von Produktivitätssteigerungen und Innovation. Schlechte Unternehmen verschwinden aus Indizes und werden durch erfolgreichere ersetzt (Survivorship-Prinzip). Der Zinseszinseffekt potenziert diese Effekte über Jahrzehnte.
Was ist der Survivorship Bias bei Aktienindizes?
Survivorship Bias bedeutet: Indizes enthalten immer die "Überlebenden". Wenn ein Unternehmen insolvent geht oder stark schrumpft, verlässt es den Index und wird durch ein erfolgreiches Unternehmen ersetzt. Die Indexperformance misst daher nie den vollständigen Verlust gescheiterter Firmen – was die historische Indexrendite etwas positiv verzerrt. Für den Indexanleger ist das ein Vorteil: Das Portfolio sortiert Verlierer automatisch aus.
Warum hat der japanische Nikkei seit 1989 kaum zugelegt?
Der Nikkei erreichte seinen Höchststand von 38.957 Punkten im Dezember 1989. Erst 2024 – also 35 Jahre später – überschritt er dieses Niveau. Ursachen: Platzen einer extremen Immobilien- und Aktienblase, geringes Wirtschaftswachstum, Deflation, schwerwiegender demographischer Wandel. Dies zeigt: Das Szenario "Aktien steigen immer langfristig" gilt nicht für einzelne Ländermärkte – globale Diversifikation ist deshalb entscheidend.
Welche reale Rendite haben Aktien historisch erzielt?
Der MSCI World hat seit ca. 1970 eine nominale Rendite von rund 9–10% p.a. erzielt (inklusive Dividenden), real (nach Inflation) etwa 6–7% p.a. Der S&P 500 erzielte seit 1926 rund 10% p.a. nominal, ca. 7% real. Diese Zahlen sind Langfristdurchschnitte, die je nach Messzeitraum, Markt und Währung variieren. In CHF gemessene Renditen fallen für Schweizer Anleger aufgrund der Frankenstärke geringer aus.
Was ist der Unterschied zwischen langfristiger und kurzfristiger Wertentwicklung?
Kurzfristig (1–3 Jahre) können Aktien um 30–50% fallen und sind extrem volatil. Die größten Einjahresverluste des S&P 500 lagen bei −38% (2008), −35% (2002). Langfristig (20+ Jahre) haben globale Aktienindizes historisch immer positive Renditen erzielt. Je länger der Anlagezeitraum, desto geringer die Wahrscheinlichkeit eines negativen Ergebnisses – dies ist das stärkste Argument für einen langen Anlagehorizont.