Was ist ein Wertpapierdepot?
Ein Wertpapierdepot (kurz: Depot) ist ein Konto, auf dem Wertpapiere verwahrt werden — also Aktien, ETFs, Anleihen, Fonds und andere Finanzinstrumente. Im Gegensatz zu einem Girokonto, auf dem Geld gehalten wird, werden im Depot die Wertpapiere buchhalterisch erfasst. Jedes Depot hat ein zugehöriges Verrechnungskonto (auch: Clearingkonto), über das alle Käufe und Verkäufe abgewickelt werden.
Wertpapiere im Depot sind sogenannte Sondervermögen: Sie gehören rechtlich dem Anleger und sind kein Eigentum des Brokers. Geht ein Broker oder eine Bank insolvent, bleiben die Wertpapiere im Eigentum des Anlegers und müssen zurückgegeben werden. Das Cash auf dem Verrechnungskonto hingegen ist Bankguthaben und unterliegt der gesetzlichen Einlagensicherung.
Worauf beim Depot achten?
Kosten & Gebühren
Depotgebühr (jährlich), Ordergebühr pro Trade, Mindestgebühr, Börsengebühren. Neobroker sind oft deutlich günstiger als Filialbanken.
Handelsplätze
Wie viele Börsen und außerbörsliche Handelsplätze sind verfügbar? Wichtig für Zugang zu internationalen Aktien und liquiden Handelszeiten.
Sparplanfähigkeit
Können Aktien und ETFs als monatlicher Sparplan gekauft werden? Mindestbetrag pro Sparplanrate? Gebühren auf Sparplan-Ausführungen?
Produktauswahl
Anzahl handelbarer ETFs, Zugang zu US-amerikanischen und asiatischen Märkten, Kryptozugang, Optionen, CFDs (nicht für Einsteiger).
Benutzeroberfläche
Ist die App oder Website intuitiv? Gibt es Desktop- und Mobile-App? Qualität der Informationen im Portfolio-Dashboard.
Einlagensicherung
Bis zu welchem Betrag ist das Bankguthaben auf dem Verrechnungskonto abgesichert? EU-Minimum: 100.000 Euro pro Anleger.
Steuerliches Reporting
Erstellt der Broker eine Steuerbescheinigung? Werden Kapitalerträge automatisch gemeldet? Wichtig besonders für AT und DE.
Kundensupport
Erreichbarkeit per Telefon, Chat oder E-Mail. Deutschsprachiger Support. Geschwindigkeit der Problemlösung bei technischen Fragen.
Depot eröffnen in 5 Schritten
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Broker vergleichen und auswählen
Vergleiche mindestens drei Anbieter anhand Ihrer Kriterien (Kosten, Sparplan, Handelsplätze). Für Einsteiger ohne viel Kapital sind günstige Neobroker wie Trade Republic (DE/AT) oder Yuh (CH) empfehlenswert. Für erfahrene Anleger mit größerem Depot lohnt sich auch ein Blick auf Flatex, ING DiBa oder Swissquote.
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Online-Antrag ausfüllen
Auf der Website des Brokers klicken Sie "Depot eröffnen" und füllst einen Online-Antrag aus. Benötigte Angaben: vollständiger Name, Geburtsdatum, Wohnadresse, Staatsangehörigkeit, Steueridentifikationsnummer (DE: Steuer-ID, AT: Steuernummer, CH: AHV-Nummer), E-Mail-Adresse. Außerdem ist ein MiFID-II-Fragebogen auszufüllen, der Ihre Anlageerfahrung und Risikobereitschaft erfasst — gesetzliche Pflicht in der EU.
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Identität legitimieren: VideoIdent oder PostIdent
Nach dem Antrag muss die Identität verifiziert werden. In Deutschland und Österreich gibt es zwei Methoden: VideoIdent (per Videochat mit einem Servicemitarbeiter, direkt per Smartphone-App, in 5–15 Minuten abgeschlossen) oder PostIdent (in einer Postfiliale Ihres Vertrauens, 1–3 Werktage). In der Schweiz erfolgt die Legitimierung oft per Online-Video-Ident oder Versand eines Legitimationsformulars.
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Depot-Aktivierung abwarten
Nach erfolgreicher Legitimierung prüft der Broker die Unterlagen. Die Aktivierung dauert je nach Anbieter 1–5 Werktage. Sie erhältst Zugangsdaten per E-Mail (PIN/TAN per Post oder per App). Bei vielen Neobroker-Apps ist die Aktivierung innerhalb von 24 Stunden nach VideoIdent abgeschlossen.
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Geld einzahlen und loslegen
Überweise den gewünschten Investitionsbetrag per SEPA-Überweisung auf Ihr Verrechnungskonto. In Deutschland und Österreich dauert das meist 1–2 Werktage. In der Schweiz kann die erste Einzahlung 2–3 Werktage dauern. Danach können sofort Aktien, ETFs oder Sparpläne einrichten.
Depot-Unterschiede: DE, AT und CH
Deutschland
- Depot + Verrechnungskonto bei der Depotbank
- Abgeltungssteuer (26,375%) wird automatisch abgeführt
- Sparerpauschbetrag: 1.000 Euro/Jahr (Einzel)
- Freistellungsauftrag beim Broker einrichten
- Jährliche Steuerbescheinigung für die Steuererklärung
- Verlustverrechnungstopf beim Broker
- Typische Broker: Trade Republic, Scalable, ING DiBa, Comdirect, Flatex
Österreich
- Wertpapierdepot + Girokonto kombiniert oder separat
- KESt (27,5%) wird automatisch abgeführt
- Kein allgemeiner Freibetrag (ausser Sonderausgaben)
- Verlustausgleich zwischen Wertpapieren möglich
- Jährlicher Steuerbericht von der Bank
- Typische Broker: Flatex AT, Easybank, Dadat, Erste Bank, Raiffeisen
Schweiz
- Depot + CHF-Konto, oft auch EUR-Konto
- Kursgewinne für Privatanleger steuerfrei
- Dividenden sind steuerpflichtig (Einkommensteuer)
- Verrechnungssteuer 35% auf CH-Dividenden wird erstattet
- Vermögenssteuer auf Depotwert (kantonal unterschiedlich)
- Typische Broker: Swissquote, Yuh, PostFinance, UBS, Raiffeisen CH
Welches Depot passt zu welchem Anlegerprofil?
Einsteiger
Günstige Neobroker: Trade Republic (DE/AT), Yuh (CH), Scalable Capital. Einfache App, Sparplan ab 1 Euro, keine Depotgebühr.
Aktiver Trader
Flatex (DE/AT), IBKR, Consors. Viele Handelsplätze, günstige Ordergebühren bei vielen Trades, Zugang zu Derivaten.
Langfristanleger
ING DiBa, Comdirect (DE) oder Swissquote (CH). Guter Service, breites ETF-Angebot, stabil und seriös.
Internationaler Anleger
Interactive Brokers (IBKR): Verfügbar in DE, AT, CH. Sehr günstig, breite Produktpalette, globaler Marktзуgang. Etwas komplexere Oberfläche.