Depot eröffnen: Schritt-für-Schritt Anleitung

Ein Wertpapierdepot ist die Grundvoraussetzung fürs Investieren. Worauf beim Depotvergleich zu achten ist, was zur Eröffnung benötigt wird und was Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz beachten müssen.

Was ist ein Wertpapierdepot?

Ein Wertpapierdepot (kurz: Depot) ist ein Konto, auf dem Wertpapiere verwahrt werden — also Aktien, ETFs, Anleihen, Fonds und andere Finanzinstrumente. Im Gegensatz zu einem Girokonto, auf dem Geld gehalten wird, werden im Depot die Wertpapiere buchhalterisch erfasst. Jedes Depot hat ein zugehöriges Verrechnungskonto (auch: Clearingkonto), über das alle Käufe und Verkäufe abgewickelt werden.

Wertpapiere im Depot sind sogenannte Sondervermögen: Sie gehören rechtlich dem Anleger und sind kein Eigentum des Brokers. Geht ein Broker oder eine Bank insolvent, bleiben die Wertpapiere im Eigentum des Anlegers und müssen zurückgegeben werden. Das Cash auf dem Verrechnungskonto hingegen ist Bankguthaben und unterliegt der gesetzlichen Einlagensicherung.

Worauf beim Depot achten?

Kosten & Gebühren

Depotgebühr (jährlich), Ordergebühr pro Trade, Mindestgebühr, Börsengebühren. Neobroker sind oft deutlich günstiger als Filialbanken.

Handelsplätze

Wie viele Börsen und außerbörsliche Handelsplätze sind verfügbar? Wichtig für Zugang zu internationalen Aktien und liquiden Handelszeiten.

Sparplanfähigkeit

Können Aktien und ETFs als monatlicher Sparplan gekauft werden? Mindestbetrag pro Sparplanrate? Gebühren auf Sparplan-Ausführungen?

Produktauswahl

Anzahl handelbarer ETFs, Zugang zu US-amerikanischen und asiatischen Märkten, Kryptozugang, Optionen, CFDs (nicht für Einsteiger).

Benutzeroberfläche

Ist die App oder Website intuitiv? Gibt es Desktop- und Mobile-App? Qualität der Informationen im Portfolio-Dashboard.

Einlagensicherung

Bis zu welchem Betrag ist das Bankguthaben auf dem Verrechnungskonto abgesichert? EU-Minimum: 100.000 Euro pro Anleger.

Steuerliches Reporting

Erstellt der Broker eine Steuerbescheinigung? Werden Kapitalerträge automatisch gemeldet? Wichtig besonders für AT und DE.

Kundensupport

Erreichbarkeit per Telefon, Chat oder E-Mail. Deutschsprachiger Support. Geschwindigkeit der Problemlösung bei technischen Fragen.

Depot eröffnen in 5 Schritten

  1. Broker vergleichen und auswählen

    Vergleiche mindestens drei Anbieter anhand Ihrer Kriterien (Kosten, Sparplan, Handelsplätze). Für Einsteiger ohne viel Kapital sind günstige Neobroker wie Trade Republic (DE/AT) oder Yuh (CH) empfehlenswert. Für erfahrene Anleger mit größerem Depot lohnt sich auch ein Blick auf Flatex, ING DiBa oder Swissquote.

  2. Online-Antrag ausfüllen

    Auf der Website des Brokers klicken Sie "Depot eröffnen" und füllst einen Online-Antrag aus. Benötigte Angaben: vollständiger Name, Geburtsdatum, Wohnadresse, Staatsangehörigkeit, Steueridentifikationsnummer (DE: Steuer-ID, AT: Steuernummer, CH: AHV-Nummer), E-Mail-Adresse. Außerdem ist ein MiFID-II-Fragebogen auszufüllen, der Ihre Anlageerfahrung und Risikobereitschaft erfasst — gesetzliche Pflicht in der EU.

  3. Identität legitimieren: VideoIdent oder PostIdent

    Nach dem Antrag muss die Identität verifiziert werden. In Deutschland und Österreich gibt es zwei Methoden: VideoIdent (per Videochat mit einem Servicemitarbeiter, direkt per Smartphone-App, in 5–15 Minuten abgeschlossen) oder PostIdent (in einer Postfiliale Ihres Vertrauens, 1–3 Werktage). In der Schweiz erfolgt die Legitimierung oft per Online-Video-Ident oder Versand eines Legitimationsformulars.

  4. Depot-Aktivierung abwarten

    Nach erfolgreicher Legitimierung prüft der Broker die Unterlagen. Die Aktivierung dauert je nach Anbieter 1–5 Werktage. Sie erhältst Zugangsdaten per E-Mail (PIN/TAN per Post oder per App). Bei vielen Neobroker-Apps ist die Aktivierung innerhalb von 24 Stunden nach VideoIdent abgeschlossen.

  5. Geld einzahlen und loslegen

    Überweise den gewünschten Investitionsbetrag per SEPA-Überweisung auf Ihr Verrechnungskonto. In Deutschland und Österreich dauert das meist 1–2 Werktage. In der Schweiz kann die erste Einzahlung 2–3 Werktage dauern. Danach können sofort Aktien, ETFs oder Sparpläne einrichten.

Depot-Unterschiede: DE, AT und CH

Deutschland

  • Depot + Verrechnungskonto bei der Depotbank
  • Abgeltungssteuer (26,375%) wird automatisch abgeführt
  • Sparerpauschbetrag: 1.000 Euro/Jahr (Einzel)
  • Freistellungsauftrag beim Broker einrichten
  • Jährliche Steuerbescheinigung für die Steuererklärung
  • Verlustverrechnungstopf beim Broker
  • Typische Broker: Trade Republic, Scalable, ING DiBa, Comdirect, Flatex

Österreich

  • Wertpapierdepot + Girokonto kombiniert oder separat
  • KESt (27,5%) wird automatisch abgeführt
  • Kein allgemeiner Freibetrag (ausser Sonderausgaben)
  • Verlustausgleich zwischen Wertpapieren möglich
  • Jährlicher Steuerbericht von der Bank
  • Typische Broker: Flatex AT, Easybank, Dadat, Erste Bank, Raiffeisen

Schweiz

  • Depot + CHF-Konto, oft auch EUR-Konto
  • Kursgewinne für Privatanleger steuerfrei
  • Dividenden sind steuerpflichtig (Einkommensteuer)
  • Verrechnungssteuer 35% auf CH-Dividenden wird erstattet
  • Vermögenssteuer auf Depotwert (kantonal unterschiedlich)
  • Typische Broker: Swissquote, Yuh, PostFinance, UBS, Raiffeisen CH
Wichtig: Anleger mit Wohnsitz in einem DACH-Land, die bei einem ausländischen Broker (z.B. IBKR, Lynx) ein Depot haben, müssen Kapitalerträge in der Regel selbst in der Steuererklärung angeben, da keine automatische Abführung der Quellensteuer erfolgt.

Welches Depot passt zu welchem Anlegerprofil?

🏠

Einsteiger

Günstige Neobroker: Trade Republic (DE/AT), Yuh (CH), Scalable Capital. Einfache App, Sparplan ab 1 Euro, keine Depotgebühr.

📈

Aktiver Trader

Flatex (DE/AT), IBKR, Consors. Viele Handelsplätze, günstige Ordergebühren bei vielen Trades, Zugang zu Derivaten.

🎯

Langfristanleger

ING DiBa, Comdirect (DE) oder Swissquote (CH). Guter Service, breites ETF-Angebot, stabil und seriös.

🌎

Internationaler Anleger

Interactive Brokers (IBKR): Verfügbar in DE, AT, CH. Sehr günstig, breite Produktpalette, globaler Marktзуgang. Etwas komplexere Oberfläche.

Häufige Fragen zur Depot-Eröffnung

Was ist ein Wertpapierdepot?
Ein Wertpapierdepot ist ein spezielles Konto bei einer Bank oder einem Broker, auf dem Wertpapiere wie Aktien, ETFs, Anleihen und Fonds verwahrt werden. Im Gegensatz zu einem Girokonto, auf dem Geld liegt, werden im Depot Wertpapiere gebucht. Jedes Depot hat ein zugehöriges Verrechnungskonto, über das Käufe und Verkäufe abgewickelt werden. Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen und gehören dem Anleger — nicht der Bank.
Was brauche ich, um ein Depot zu eröffnen?
Zur Depot-Eröffnung werden benötigt: ein gültigen Personalausweis oder Reisepass, Ihre aktuelle Wohnadresse, die Steueridentifikationsnummer (in Deutschland die "Steuer-ID", in Österreich die Steuernummer, in der Schweiz die AHV-Nummer), eine E-Mail-Adresse sowie ein Smartphone (für VideoIdent) oder Zugang zu einer Postfiliale (für PostIdent). Manche Broker erfordern zusätzlich einen Nachweis über Ihr erstes Konto für die SEPA-Lastschrift.
Was ist der Unterschied zwischen VideoIdent und PostIdent?
VideoIdent ist eine digitale Identifizierung per Videochat — filmen Sie Ihren Ausweis und Ihr Gesicht per Smartphone-Kamera in einer speziellen App (z.B. IDnow, WebID). Die Verifikation dauert meist 5–15 Minuten und ist sofort abgeschlossen. Gut für alle, die schnell starten wollen. PostIdent erfolgt in einer Postfiliale: Sie zeigst dort den Ausweis vor, der Postmitarbeiter bestätigt die Identität durch den Coupon des Brokers. Dauert 1–3 Werktage bis zur Übermittlung an den Broker. PostIdent ist eine Alternative, wenn VideoIdent technisch nicht klappt.
Gibt es einen Unterschied zwischen einem deutschen und einem österreichischen Depot?
Der wichtigste Unterschied liegt in der steuerlichen Behandlung. In Deutschland führen inländische Broker die Abgeltungssteuer (25% + Soli = 26,375%) automatisch ans Finanzamt ab. In Österreich führen inländische Broker die KESt (27,5%) automatisch ab. In der Schweiz gibt es keine automatische Abführung von Steuer auf Kursgewinne (die sind steuerfrei), aber die Verrechnungssteuer auf CH-Dividenden (35%) muss in der Steuererklärung zurückgefordert werden. Der Verlustausgleich zwischen verschiedenen Wertpapieren ist in DE und AT über den Verlustverrechnungstopf möglich.
Ist mein Geld im Depot sicher?
Wertpapiere im Depot (Aktien, ETFs) gehören rechtlich dem Anleger und sind kein Eigentum des Brokers — selbst bei einer Insolvenz des Brokers bleiben sie im Eigentum des Anlegers und müssen herausgegeben werden. Das Verrechnungsguthaben (Cash) ist durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt: In Deutschland und Österreich bis 100.000 Euro pro Anleger und Institut (EU-Richtlinie), in der Schweiz bis 100.000 CHF. Zusätzliche freiwillige Sicherungssysteme wie der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken können höhere Beträge schützen.