ETF-Kosten & TER: Was kostet ein ETF wirklich?

Die TER ist nur ein Teil der wahren ETF-Kosten. Spread, Ordergebühren und Steuern kommen hinzu. Hier erfahren Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz, was ein ETF wirklich kostet — mit interaktivem TER-Rechner.

TER Kosten Vergleich

Was ist die TER (Total Expense Ratio)?

Die Total Expense Ratio (TER) — auf Deutsch: Gesamtkostenquote — ist die wichtigste Kennzahl für die laufenden Kosten eines ETFs. Sie gibt an, wie viel Prozent des angelegten Vermögens pro Jahr für die Verwaltung des Fonds anfallen. Die TER wird nicht als separate Rechnung an den Anleger geschickt, sondern täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen. Das bedeutet: Der ausgewiesene ETF-Kurs ist bereits nach Abzug der TER.

Die TER enthält:

Was die TER nicht enthält: Transaktionskosten des Fonds beim Kauf/Verkauf von Aktien, Steuern, Spread und Ordergebühren des Anlegers.

Faustregel: Unter 0,20 % TER ist für breite Marktindex-ETFs gut. Unter 0,10 % ist sehr günstig. Aktive ETFs und Themen-ETFs kosten oft 0,50–1,00 % — dafür braucht man eine sehr gute Begründung.

Alle ETF-Kosten im Überblick

KostenartWann fällt sie an?Typische HöheVermeidbar?
TERLaufend, täglich0,05 – 0,50 %/JahrDurch günstigen ETF minimieren
OrdergebührBei Kauf und Verkauf0 – 15 EuroBroker ohne Ordergebühren wählen
SpreadBei Kauf und Verkauf0,01 – 0,5 %XETRA, liquide ETFs, Haupthandelszeiten
DepotgebührJährlich (je nach Broker)0 – 50 EuroKostenloses Depot wählen
SteuernAuf Gewinne/Ausschüttungen25 – 27,5 % (DE/AT)Nicht vermeidbar, nur optimierbar
WährungsumtauschBei Fremdwährungshandel0 – 0,5 %In EUR notierte ETF-Klassen wählen

Wie wirkt die TER auf die Rendite?

Eine TER von 0,20 % klingt minimal. Über Jahrzehnte mit Zinseszinseffekt ist der Unterschied jedoch erheblich. Das folgende Beispiel zeigt den Unterschied zwischen einem ETF mit 0,07 % TER und einem mit 1,50 % TER (typisch für aktive Fonds) bei gleicher Brutto-Rendite von 8 % p.a.:

AnlageStartkapitalTERNetto-RenditeWert nach 30 Jahren
Günstiger ETF10.000 €0,07 %7,93 %97.000 €
Mittelgünstiger ETF10.000 €0,50 %7,50 %87.500 €
Aktiver Fonds10.000 €1,50 %6,50 %66.000 €
Teurer aktiver Fonds10.000 €2,00 %6,00 %57.400 €
Der Kostenunterschied: Zwischen dem günstigen ETF (0,07 % TER) und dem teuren aktiven Fonds (2,00 % TER) entstehen nach 30 Jahren ca. 40.000 Euro Unterschied — bei gleichem Startkapital von 10.000 Euro. Das entspricht dem 4-fachen des ursprünglichen Investments.

TER-Rechner: Kostenunterschied berechnen

TER-Vergleichsrechner

ETF 1 (günstig): Endwert

ETF 2 (teurer): Endwert

Günstige ETFs im Vergleich

Folgende ETFs gelten als die kostengünstigsten Produkte für Anleger im DACH-Raum auf die wichtigsten Indizes:

ETFIndexISINTERReplikation
Amundi Prime GlobalSolactive GBS DM Large & Mid CapLU20892382030,05 %Physisch
Invesco S&P 500 (Acc)S&P 500IE00B3YCGJ380,05 %Synthetisch
Xtrackers DAXDAXLU02742114800,09 %Physisch
Amundi MSCI WorldMSCI WorldLU16810435990,12 %Synthetisch
SPDR MSCI WorldMSCI WorldIE00BFY0GT140,12 %Physisch
iShares Core S&P 500 (Acc)S&P 500IE00B5BMR0870,07 %Physisch
Vanguard FTSE All-World (Acc)FTSE All-WorldIE00BK5BQT800,22 %Physisch
iShares Core MSCI World (Acc)MSCI WorldIE00B4L5Y9830,20 %Physisch
Xtrackers MSCI Emerging MarketsMSCI EM IMIIE00BTJRMP350,18 %Physisch
iShares Core DAXDAXDE00059339310,16 %Physisch

Tracking Difference vs. TER: Was ist genauer?

Die TER ist die offiziell ausgewiesene Kostenquote. Die Tracking Difference (TD) ist die tatsächliche Abweichung zwischen ETF-Rendite und Index-Rendite über ein Jahr. Sie ist oft aussagekräftiger als die TER, weil sie alle realen Kosten und Einnahmen des ETFs berücksichtigt:

Für den Vergleich von ETFs auf denselben Index ist die Tracking Difference die bessere Kennzahl. ETF-Datenbanken wie justETF oder extraETF listen Tracking Differences für alle großen UCITS-ETFs auf.

Spread: Die unsichtbaren Transaktionskosten

Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- (Brief-) und Verkaufspreis (Geld-). Bei einem ETF mit Briefkurs 100,05 Euro und Geldkurs 99,95 Euro beträgt der Spread 0,10 Euro oder 0,10 %. Bei jedem Kauf zahlt der Anleger den Briefkurs, bei jedem Verkauf erhält er nur den Geldkurs — die Differenz ist der Spread als Transaktionskosten.

Faktoren, die den Spread beeinflussen:

Häufige Fragen zu ETF-Kosten und TER

Was ist die TER und wie wird sie berechnet?

Die Total Expense Ratio (TER) ist die jährliche Gesamtkostenquote eines Investmentfonds oder ETFs. Sie umfasst alle Kosten, die dem Fonds direkt belastet werden: Verwaltungsgebühr des Anbieters, Indexlizenzgebühren (z. B. an MSCI oder S&P), Depotbankgebühren und sonstige Betriebskosten. Die TER wird täglich aus dem Fondsvermögen entnommen — der Anleger bezahlt sie indirekt durch einen geringfügig niedrigeren Fondskurs. Bei einem ETF mit 0,20 % TER und einem Fondsvermögen von 10.000 Euro werden täglich ca. 0,0055 Euro entnommen, über das Jahr summieren sich 20 Euro. Transaktionskosten des Fonds beim Kauf und Verkauf von Aktien sind in der TER nicht enthalten — diese zeigt die Tracking Difference.

Welche ETF-Kosten kommen zusätzlich zur TER dazu?

Neben der TER fallen beim ETF-Investment weitere Kosten an. Beim Kauf und Verkauf: Ordergebühren (0 bis ca. 15 Euro je nach Broker), der Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, bei liquiden ETFs auf XETRA meist 0,01–0,05 %) und eventuell Wechselkurskosten bei Fremdwährungs-ETFs. Laufend: Depotgebühren bei manchen Brokern (bei Trade Republic, Scalable Capital und ING entfallen diese). Beim Gewinn: Steuern auf Kursgewinne und Ausschüttungen (Abgeltungsteuer 25 % + Soli in DE, KESt 27,5 % in AT, in CH nur auf Ausschüttungen). Die Gesamtkosten über die Haltedauer werden oft als "Total Cost of Ownership" bezeichnet und umfassen TER, Transaktionskosten und Steuern.

Wie wirkt sich die TER auf die Rendite über 20 oder 30 Jahre aus?

Der Kostenunterschied zwischen einem ETF mit 0,07 % TER und einem aktiven Fonds mit 1,50 % TER beträgt auf den ersten Blick nur 1,43 Prozentpunkte pro Jahr. Über 30 Jahre bei 10.000 Euro Startkapital und 8 % Brutto-Rendite ergibt das jedoch: ETF (0,07 %): ca. 97.000 Euro Endwert. Aktiver Fonds (1,50 %): ca. 65.000 Euro Endwert. Die TER-Differenz "kostet" über 30 Jahre ca. 32.000 Euro — mehr als das dreifache des Startkapitals. Der Grund: Hohe Kosten reduzieren die jährliche Rendite, und damit auch den Zinseszinseffekt, der exponentiell über die Zeit wirkt.

Was ist der Unterschied zwischen TER und Tracking Difference?

Die TER ist die offiziell ausgewiesene Kostenquote — sie ist prospektbasiert und zeigt, was der Fonds an Gebühren erhebt. Die Tracking Difference (TD) ist die tatsächliche jährliche Renditeabweichung zwischen ETF und Index. Sie ist die realistischere Kostenmaßzahl, weil sie auch Einnahmen aus Wertpapierleihe berücksichtigt, die manche ETF-Anbieter zur Kostensenkung nutzen. Ein ETF mit 0,20 % TER kann durch Wertpapierleihereinnahmen eine TD von nur 0,05 % oder sogar negativ (d. h. besser als der Index nach TER) erzielen. Für den direkten Vergleich zweier ETFs auf denselben Index ist die Tracking Difference deshalb aussagekräftiger als die TER allein.

Welche ETFs haben die niedrigsten Kosten für Anleger in der DACH-Region?

Für die meistgenutzten Indizes gibt es folgende günstigen UCITS ETFs: S&P 500: Invesco S&P 500 UCITS ETF (IE00B3YCGJ38, TER 0,05 %) und iShares Core S&P 500 (IE00B5BMR087, TER 0,07 %). MSCI World: Amundi Prime Global (LU2089238203, TER 0,05 %) und SPDR MSCI World (IE00BFY0GT14, TER 0,12 %). DAX: Xtrackers DAX (LU0274211480, TER 0,09 %) und iShares Core DAX (DE0005933931, TER 0,16 %). FTSE All-World: Vanguard FTSE All-World (IE00BK5BQT80, TER 0,22 %). Alle genannten Produkte sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz über die gängigen Broker handelbar und als UCITS-Fonds EU-reguliert.

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