Aktiv vs. passiv: Warum ETFs fast immer gewinnen

Über 90 % der aktiv verwalteten Aktienfonds schlagen ihren Vergleichsindex über 15 Jahre nicht — nach Kosten. Die Datenlage ist eindeutig. Warum das so ist und was daraus folgt.

Aktive Fonds Passive ETFs SPIVA
>90 %aktiver Fonds underperformen über 15 Jahre (SPIVA)
1,5–2,5 %TER aktiver Fonds (vs. 0,05–0,30 % ETFs)
125,8 %Buffetts Indexfonds 2008–2017
36,3 %Hedgefonds im gleichen Zeitraum

Der grundlegende Unterschied: aktiv vs. passiv

Bei einem aktiv verwalteten Fonds trifft ein Team von Fondsmanagern und Analysten täglich Entscheidungen: Welche Aktien kaufen? Welche verkaufen? In welchen Sektoren übergewichten? Das Ziel: Den Markt übertreffen, also eine höhere Rendite erzielen als ein passiver Index.

Bei einem passiven ETF gibt es nichts zu entscheiden. Der ETF kauft automatisch alle Aktien eines festgelegten Index in der vorgeschriebenen Gewichtung. Steigt Apple im MSCI World auf 5 % Gewicht, kauft der ETF entsprechend nach. Niemand trifft aktive Entscheidungen — deshalb entfallen auch die hohen Kosten für Analysten und Fondsmanager.

MerkmalAktiver FondsPassiver ETF
VerwaltungFondsmanager + AnalystenteamAutomatisch (Index-Replikation)
TER1,00 – 2,50 %/Jahr0,05 – 0,50 %/Jahr
Ausgabeaufschlag0 – 5 %Keiner
ZielIndex übertreffen (Alpha)Index nachbilden
TransparenzQuartalsberichteTägliche Portfoliobekanntgabe
HandelbarkeitEinmal täglich zum NAVBörsentäglich in Echtzeit
Langfristige Underperformance>90 % der Fonds (SPIVA)Bildet Index exakt nach

Die SPIVA-Studie: Zahlen, die nicht lügen

S&P Global veröffentlicht seit 2002 halbjährlich die SPIVA-Studie (S&P Indices Versus Active). Sie vergleicht die Performance aktiver Fonds mit ihrem jeweiligen Vergleichsindex über verschiedene Zeiträume. Das Ergebnis ist konsistent und ernüchternd für aktive Fonds:

Markt / RegionAnteil aktiver Fonds, die Index underperformenZeitraum
US Large Cap (S&P 500)92 %15 Jahre
US All Equity88 %15 Jahre
Europa Aktien87 %15 Jahre
Deutschland Aktien~90–95 %15 Jahre
Schwellenländer Aktien79 %15 Jahre
US Bonds94 %15 Jahre

Selbst in der einzigen Kategorie, in der aktive Fonds relativ besser abschneiden — Schwellenländer — underperformen fast 80 % den Index langfristig. Und das, bevor man bedenkt, dass die Fonds, die "überleben", selektiv ausgewertet werden — viele schlechte Fonds werden vorher geschlossen (Survivorship Bias).

Survivorship Bias: Die SPIVA-Studie berücksichtigt auch geschlossene Fonds. Ohne diesen Korrektur wäre die Performance aktiver Fonds noch schlechter — weil besonders schlecht laufende Fonds oft aufgelöst oder mit besseren Fonds fusioniert werden, bevor sie in Statistiken eingehen.

Warum schlagen aktive Fonds den Index nicht?

Die Antwort ist mathematisch zwingend. Alle Investoren zusammen sind der Markt. Die Marktrendite ist der gewichtete Durchschnitt aller Anlegerrenditen — aktiv und passiv zusammen. Wenn passive Anleger exakt die Marktrendite erzielen, müssen aktive Anleger im Durchschnitt ebenfalls die Marktrendite vor Kosten erzielen — nach Kosten aber weniger. Das Nullsummenspiel wird durch die höheren Kosten aktiver Strategien systematisch negativ.

Die drei Hauptgründe für die Underperformance aktiver Fonds:

1. Kosten

Ein aktiver Fonds mit 1,5 % TER muss den Index jedes Jahr um mindestens 1,5 % übertreffen, nur um gleich aufzukommen. Über 15–20 Jahre ist das eine extrem hohe Hürde. Hinzu kommen Ausgabeaufschläge (bis 5 %) und höhere Transaktionskosten durch häufiges Umschichten.

2. Markteffizienz

In entwickelten Märkten (USA, Europa, Japan) sind alle öffentlich zugänglichen Informationen schnell im Kurs eingepreist. Die meisten Aktientransaktionen laufen heute über algorithmische Handelssysteme, die neue Informationen in Millisekunden verarbeiten. Es ist nahezu unmöglich, auf Basis öffentlicher Daten konsistent einen Informationsvorsprung zu haben.

3. Regression zum Mittelwert

Fonds, die in einem Jahr gut performen, sind statistisch im nächsten Jahr nicht überdurchschnittlich. Studien zeigen, dass Top-Quartil-Fonds in einem Drei-Jahres-Zeitraum im nächsten Drei-Jahres-Zeitraum häufiger ins untere Quartil fallen als im oberen zu bleiben. Vergangene Outperformance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Outperformance.

Warren Buffetts Wette gegen die Hedgefonds (2008–2017)

Ich wette eine Million Dollar, dass ein einfacher, kostengünstiger S&P 500 Indexfonds über die nächsten zehn Jahre jeden Korb aus aktiv verwalteten Hedgefonds schlagen wird — nach Kosten.

— Warren Buffett, Berkshire Hathaway Brief 2008

2008 schloss Warren Buffett eine öffentliche Wette mit dem Fondsmanager Ted Seides von Protégé Partners ab. Die Bedingungen: Ein einfacher Vanguard S&P 500 Indexfonds gegen einen Korb aus fünf Dachfonds auf Hedgefonds — über 10 Jahre (2008–2017). Einsatz: 1 Million Dollar, gespendet an eine gemeinnützige Organisation.

Das Ergebnis:

Buffett gewann die Wette eindeutig. Ted Seides gab 2017 vorzeitig auf und räumte ein, die Wette verloren zu haben. Buffetts Kommentar: "Die Finanzbranche hat Billionen an Gebühren von Anlegern eingesammelt — und das für schlechtere Ergebnisse als die, die mit einfachen Indexfonds erzielbar gewesen wären."

Ausnahmen: Wann können aktive Fonds sinnvoll sein?

Die überwältigende Datenlage spricht gegen aktive Fonds für Privatanleger — aber es gibt Ausnahmen:

Fazit: Für den Großteil der Privatanleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind breit gestreute, günstige passive ETFs auf MSCI World, S&P 500 oder FTSE All-World die effizienteste Form der Kapitalanlage. Die Beweislage aus Jahrzehnten akademischer Forschung und aus der Praxis (SPIVA, Buffett-Wette) ist eindeutig.

Wer sollte trotzdem aktive Fonds nutzen?

Es gibt Anleger, für die aktive Fonds eine Rolle spielen können: Institutionelle Investoren mit sehr großen Volumina, bei denen der passive Ansatz Marktbewegungen selbst auslösen würde. Oder Anleger, die sehr spezielle ESG-Anforderungen haben, die kein passiver Index exakt abbildet. Für den typischen Privatanleger im DACH-Raum mit einem Anlagehorizont von 10–30 Jahren trifft das jedoch nicht zu.

Häufige Fragen: Aktiv vs. passiv

Was ist der Hauptunterschied zwischen aktiven Fonds und passiven ETFs?

Aktive Fonds werden von Fondsmanagern und Analystenteams verwaltet, die durch Aktienauswahl und Markt-Timing versuchen, besser als der Markt abzuschneiden. Passive ETFs bilden automatisch einen Index nach — ohne aktive Entscheidungen, ohne teure Analysten. Das Resultat: Passive ETFs kosten typischerweise 0,05–0,30 % TER pro Jahr, aktive Fonds 1,0–2,5 % plus Ausgabeaufschlag. Diese Kostendifferenz macht es für aktive Fonds nahezu unmöglich, langfristig nach Kosten besser abzuschneiden als der Index.

Was besagt die SPIVA-Studie genau?

Die SPIVA-Studie (S&P Indices Versus Active) wird halbjährlich von S&P Global veröffentlicht und vergleicht die Performance aktiv verwalteter Fonds mit ihrem jeweiligen Referenzindex über 1, 3, 5, 10 und 15 Jahre. Das konsistente Ergebnis: Je länger der Betrachtungszeitraum, desto größer der Anteil aktiver Fonds, die ihren Index unterbieten. Über 15 Jahre underperformen in den USA über 90 % der aktiven Aktienfonds den S&P 500. In Europa und Deutschland liegen die Werte ähnlich hoch (85–95 %). Die Studie bereinigt auch um den Survivorship Bias — also um Fonds, die wegen schlechter Performance aufgelöst wurden, bevor der Messzeitraum endete.

Wie verlief Warren Buffetts Wette gegen die Hedgefonds?

2008 schloss Warren Buffett eine öffentliche Zehn-Jahres-Wette ab: Ein Vanguard S&P 500 Indexfonds gegen einen Korb aus fünf ausgewählten Hedgefonds. Das Ergebnis über 2008–2017: Der Indexfonds erzielte 125,8 % Gesamtrendite, die fünf Hedgefonds-Körbe im Durchschnitt nur 36,3 %. Buffett gewann deutlich. Der Gegner Ted Seides räumte 2017 vorzeitig ein, die Wette verloren zu haben. Buffetts Schlussfolgerung in seinem jährlichen Berkshire-Hathaway-Brief: Niedrige Kosten sind der wichtigste Faktor für langfristige Anlagerenditen — und kein aktiver Manager hat das über lange Zeiträume systematisch gezeigt.

Warum können Fondsmanager den Markt nicht dauerhaft schlagen?

Die mathematische Logik: Alle Investoren zusammen sind der Markt. Der Markt erzielt die Marktrendite. Passive Anleger erzielen die Marktrendite minus minimale Kosten. Aktive Anleger erzielen im Durchschnitt ebenfalls die Marktrendite vor Kosten — aber nach Kosten (1,5–2,5 % TER) deutlich weniger. Hinzu kommt: In hochentwickelten Märkten wie dem US-amerikanischen oder deutschen Markt sind öffentliche Informationen in Millisekunden im Kurs eingepreist, weil tausende professionelle Analysten und Algorithmen dieselben Daten auswerten. Einen dauerhaften Informationsvorsprung zu haben ist praktisch unmöglich.

Gibt es Situationen, in denen aktive Fonds sinnvoll sein können?

In einigen Nischenbereichen haben aktive Manager bessere Chancen: Illiquide Märkte wie sehr kleine Unternehmen (Micro Caps) oder Frontier Markets, wo passive Replikation durch Liquiditätsprobleme erschwert wird. Oder sehr spezialisierte Strategien mit nicht börsennotierten Anlagen (Private Equity, Infrastruktur). Für den typischen Privatanleger in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, der in Aktien aus entwickelten Märkten investiert, sind diese Ausnahmen nicht relevant. Breite Marktindizes wie MSCI World, S&P 500 oder DAX werden durch passive ETFs effizienter abgebildet, als es aktive Fondsmanager je konnten.

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