ETF kaufen — Schritt für Schritt

Vom leeren Depot bis zur ausgeführten Order: So funktioniert der ETF-Kauf — mit den richtigen Orderarten, den wichtigsten Kostenpunkten und den passenden Brokern für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Anleitung Einsteiger DACH

Schritt-für-Schritt: Den ersten ETF kaufen

ETFs zu kaufen ist technisch einfach — aber wer die richtigen Grundlagen kennt, vermeidet unnötige Kosten und trifft bessere Entscheidungen. Die folgende Anleitung führt durch alle Schritte, vom Depot bis zur ausgeführten Order.

  1. Schritt 1: Depot eröffnen

    Ohne Wertpapierdepot ist kein ETF-Kauf möglich. In Deutschland bieten Trade Republic, Scalable Capital, ING, DKB und comdirect günstige Depots. In Österreich ist Flatex Austria die erste Adresse, in der Schweiz Swissquote. Die Kontoeröffnung dauert meist 1–3 Werktage und ist komplett digital möglich (VideoIdent oder PostIdent).

  2. Schritt 2: ETF recherchieren und auswählen

    Der erste Schritt ist die Wahl des abzubildenden Marktes.

  3. Schritt 3: ISIN oder WKN eingeben

    Suche im Handelssystem Ihres Brokers nach der ISIN (International Securities Identification Number) des ETFs — z. B. IE00B4L5Y983 für den iShares Core MSCI World. Die ISIN ist eindeutig und vermeidet Verwechslungen mit ähnlich benannten Produkten.

  4. Schritt 4: Handelsplatz wählen

    Wähle den Handelsplatz. Für große, liquide ETFs empfiehlt sich in Deutschland XETRA (Handelszeiten 9:00–17:30 Uhr MEZ). XETRA bietet in der Regel die engsten Spreads. Tradegate und Börse Stuttgart haben längere Handelszeiten, aber oft minimal höhere Spreads.

  5. Schritt 5: Orderart wählen — Limit statt Market

    Wähle eine Limit Order: Sie legen fest, zu welchem Maximalpreis der maximale Kaufpreis gewünscht wird. Das Limit kann 1–2 % über dem aktuellen Kurs, damit die Order bei kleinen Schwankungen trotzdem ausgeführt wird. Vermeide Market Orders — bei breiten Spreads oder illiquiden ETFs kann die Ausführung deutlich über dem angezeigten Kurs liegen.

Orderarten im Überblick

Es gibt verschiedene Orderarten, die bei ETF-Käufen relevant sind. Die wichtigsten zwei:

Orderart Funktionsweise Wann geeignet? Risiko
Market Order Kauf sofort zum nächsten verfügbaren Kurs Sehr liquide ETFs (MSCI World, S&P 500) in ruhigen Märkten Kurs kann schlechter sein als erwartet
Limit Order Kauf nur wenn Kurs ≤ gesetztes Limit Fast immer — ist die sicherere Wahl Order wird nicht ausgeführt wenn Kurs steigt
Stop Order Wird zur Market Order wenn Kurs ein Niveau unterschreitet Absicherung bestehender Positionen Ausführung unter Stop-Preis möglich
Stop-Limit Order Kombination: Trigger + Limit Fortgeschrittene Anleger Kann bei starken Bewegungen nicht ausgeführt werden
Empfehlung: Für den ETF-Kauf fast immer eine Limit Order verwenden. Das Limit 1–2 % über dem aktuellen Briefkurs setzen und die Gültigkeitsdauer auf "Tag" oder "GTC" (Good Till Cancelled) setzen. So ist man vor unerwarteten Kursausreißern geschützt.

Handelszeiten: Wann ETFs kaufen?

ETFs auf europäische Indizes (DAX, EURO STOXX 50) werden während der europäischen Handelszeiten am engsten gehandelt. ETFs auf US-Indizes (S&P 500, NASDAQ) haben nachmittags die engsten Spreads, wenn die US-Märkte geöffnet sind.

Handelsplatz Zeiten (MEZ) Typischer Spread
XETRA (Frankfurt)09:00 – 17:30Sehr eng, 0,01–0,05 %
Tradegate08:00 – 22:00Eng, 0,02–0,10 %
Börse Stuttgart08:00 – 22:00Eng, 0,02–0,10 %
SIX (Schweiz)09:00 – 17:30Eng bis mittel
Wiener Börse (AT)09:00 – 17:30Mittel
Tipp: Kaufe ETFs nie in den ersten 15 Minuten nach Börsenöffnung (09:00–09:15 Uhr) und nicht in den letzten 5 Minuten vor Börsenschluss. In diesen Zeiten sind die Spreads am breitesten, weil Market Maker sich absichern.

Kosten beim ETF-Kauf

Beim Kauf eines ETFs entstehen verschiedene Kostenarten, die Anleger kennen sollten:

1. Ordergebühren

Je nach Broker zwischen 0 Euro (Trade Republic, Scalable Capital Prime) und ca. 10–15 Euro (klassische Direktbanken wie comdirect oder Postfinance). Bei regelmäßigen kleinen Käufen können Ordergebühren die Rendite spürbar mindern — hier lohnen sich Broker mit kostenlosen Sparplänen.

2. Spread

Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- (Brief-) und Verkaufspreis (Geld-). Bei großen, liquiden ETFs auf XETRA beträgt er meist 0,01–0,05 % — bei einem Kauf von 5.000 Euro also 0,50 bis 2,50 Euro. Bei weniger liquiden ETFs oder außerhalb der Haupthandelszeiten kann der Spread auf 0,5–1 % steigen.

3. Laufende Kosten (TER)

Die Total Expense Ratio wird täglich anteilig aus dem ETF-Vermögen entnommen. Sie fällt nicht beim Kauf an, sondern wird kontinuierlich verrechnet. Bei einer TER von 0,20 % auf eine Position von 10.000 Euro fallen 20 Euro pro Jahr an.

ETF kaufen im DACH-Vergleich: Welcher Broker?

Broker Land Ordergebühr Sparpläne Mindestorder
Trade RepublicDE (auch AT)1 EuroAb 1 Euro, kostenlos1 Euro
Scalable CapitalDE (auch AT)0 Euro (Prime) / 0,99 EuroAb 1 Euro, kostenlos1 Euro
ING DeutschlandDECa. 4–10 EuroAb 1 Euro, kostenlos1 Euro
Flatex AustriaATAb 0 Euro (Free)Ab 25 Euro1 Euro
SwissquoteCHAb 9 CHFAb 50 CHF50 CHF
PostfinanceCHAb 15 CHFJa100 CHF
YuhCH0,5 % (min. 0,50 CHF)Ab 1 CHF1 CHF

Nach dem Kauf: Was passiert mit meinem ETF?

Nach der Ausführung der Order wird der ETF in Ihrem Depot gutgeschrieben, typischerweise 2 Handelstage nach dem Kauf (T+2 Settlement). Der aktuelle Wert Ihrer Position wird täglich aktualisiert und schwankt mit dem Kurs des ETFs. Bei thesaurierenden ETFs werden Dividenden automatisch reinvestiert, bei ausschüttenden ETFs werden sie auf Ihr Verrechnungskonto gutgeschrieben.

Für den ETF-Sparplan statt Einmalkauf: Einfach im Broker einen Dauerauftrag für einen regelmäßigen ETF-Kauf einrichten — ab 1 Euro monatlich bei Trade Republic, ab 25 Euro bei den meisten anderen Brokern.

Häufige Fragen zum ETF-Kauf

Wie viel Geld brauche ich, um meinen ersten ETF zu kaufen?

Technisch reicht der Preis eines einzelnen ETF-Anteils — oft zwischen 20 und 200 Euro. Viele Broker ermöglichen über Sparpläne den Einstieg ab 1 Euro pro Monat (Trade Republic, Scalable Capital). Für einen sinnvollen Einmalkauf empfehlen sich mindestens 500 bis 1.000 Euro, damit die Ordergebühren (falls vorhanden) prozentual nicht zu stark ins Gewicht fallen. Bei einem Broker ohne Ordergebühren ist auch ein kleinerer Einmalkauf sinnvoll.

Was ist der Unterschied zwischen Market Order und Limit Order?

Eine Market Order wird sofort zum nächsten verfügbaren Marktpreis ausgeführt — egal zu welchem Kurs. Das ist schnell, kann aber besonders bei wenig gehandelten ETFs oder außerhalb der Haupthandelszeiten zu ungünstigen Preisen führen. Eine Limit Order legt einen maximalen Kaufpreis fest. Die Order wird nur ausgeführt, wenn der Kurs dieses Limit erreicht oder unterschreitet. Für ETF-Käufe empfiehlt sich fast immer die Limit Order: Limit ca. 1–2 % über dem aktuellen Briefkurs setzen — das schützt vor Kursausreißern und wird bei normalen Bedingungen trotzdem ausgeführt.

Wann ist die beste Zeit, ETFs zu kaufen?

Für langfristige Anleger spielt der genaue Kaufzeitpunkt innerhalb eines Tages kaum eine Rolle — die Differenz zwischen dem günstigsten und ungünstigsten Kaufzeitpunkt beträgt meist unter 0,2 %. Trotzdem: Kaufe nicht in den ersten 15 Minuten nach Börseneröffnung und nicht kurz vor Börsenschluss, weil dann die Spreads am breitesten sind. Bei ETFs auf US-Indizes (S&P 500, NASDAQ) sind die Spreads am engsten ab ca. 15:30 Uhr MEZ, wenn die US-Märkte öffnen. Langfristig ist der Zeitpunkt weniger wichtig als die Regelmäßigkeit — deshalb lohnt sich ein Sparplan.

Welche Kosten entstehen beim ETF-Kauf insgesamt?

Beim Kauf entstehen: Ordergebühren (0–15 Euro je nach Broker) und der Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, typisch 0,01–0,10 % bei liquiden ETFs auf XETRA). Danach laufen die jährlichen Kosten über die TER (Total Expense Ratio, meist 0,07–0,30 %). Kein Ausgabeaufschlag, keine versteckten Vertriebsprovisionen — das ist einer der großen Vorteile gegenüber aktiven Fonds. Beim Verkauf fallen erneut Ordergebühren und Spread an, plus Abgeltungsteuer auf etwaige Gewinne (in DE 26,375 %, in AT 27,5 %, in CH keine auf Kursgewinne).

Welcher Broker ist in Österreich und der Schweiz für ETF-Käufe geeignet?

In Österreich sind Flatex Austria und Scalable Capital (seit 2022 auch in AT verfügbar) die günstigen Optionen. Trade Republic ist ebenfalls in Österreich aktiv. Für größere Einmalkäufe bietet die Raiffeisen-Direktanlage eine günstige Alternative. In der Schweiz ist Swissquote der meistgenutzte Onlinebroker für ETFs — mit Zugang zur SIX und zu deutschen Handelsplätzen. Yuh (Postfinance/Swissquote-Joint-Venture) bietet sehr günstige Konditionen für kleinere Beträge. Postfinance ist für Anleger mit einem bestehenden Postkonto bequem. Alle genannten Broker bieten Zugang zu den führenden UCITS-ETFs von iShares, Vanguard und Xtrackers.

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