Corona-Crash 2020: Schnellster Crash und schnellste Erholung der Geschichte

In 33 Handelstagen fiel der S&P 500 um 34% — und erholte sich in nur 5 Monaten vollständig. Der Corona-Crash von 2020 ist das eindrücklichste Beispiel dafür, warum Panikverkäufe so teuer sind.

−34 %
S&P 500-Verlust vom 19. Feb. bis 23. März 2020 — in nur 33 Handelstagen
−40 %
DAX-Verlust vom 19. Feb. bis 18. März 2020 — in rund vier Wochen
5 Monate
Erholungszeit — S&P 500 erreichte im August 2020 neue Allzeithochs
0–0,25 %
Fed-Leitzins nach Notfallsenkungen im März 2020 — plus unbegrenztes QE

Hintergrund: COVID-19 erschüttert die Weltwirtschaft

Am 31. Dezember 2019 meldete China der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine ungewöhnliche Lungenentzündung in der Stadt Wuhan. In den ersten Wochen des Januar 2020 identifizierten chinesische Wissenschaftler das Virus: ein neuartiges Coronavirus, das später SARS-CoV-2 genannt wurde. Die durch das Virus ausgelöste Erkrankung erhielt den Namen COVID-19.

Zunächst schienen die Märkte die Bedrohung zu ignorieren. Der S&P 500 erreichte am 19. Februar 2020 ein Allzeithoch bei 3.386 Punkten. Doch die Signale häuften sich: Italien meldete eine rasch wachsende Epidemie, Südkorea ebenfalls. Am 11. März 2020 erklärte die WHO COVID-19 offiziell zur Pandemie.

Was folgte, war eine beispiellose wirtschaftliche Verwerfung: Innerhalb weniger Wochen wurden Grenzen geschlossen, Länder in den Lockdown geschickt, Flughäfen leergefegt, Restaurants und Hotels geschlossen. Versorgungsketten brachen zusammen. Die Frage war nicht mehr, ob die Wirtschaft schrumpfen würde — sondern um wie viel.

Der Crash: 33 Handelstage, −34%

Der Rückgang des S&P 500 vom 19. Februar 2020 bis zum 23. März 2020 war historisch: In nur 33 Handelstagen fiel der Index von 3.386 auf 2.237 Punkte — ein Verlust von 34%. Um die Geschwindigkeit einzuordnen: Der S&P 500 benötigte bei der Finanzkrise 2008/09 rund 17 Monate, um 57% zu fallen. Im Corona-Crash verlor er 34% in weniger als anderthalb Monaten.

Besonders drastisch traf es den deutschen Aktienmarkt: Der DAX fiel von rund 13.789 Punkten am 19. Februar 2020 auf 8.256 Punkte am 18. März 2020 — ein Minus von 40% in rund vier Wochen. Der Swiss Market Index (SMI) verlor über denselben Zeitraum rund 30%. Der österreichische ATX fiel ebenfalls um rund 45%.

Besonders auffällig war die Volatilität: Der VIX — der "Angstindex" der Märkte, der die implizite Volatilität des S&P 500 misst — stieg am 16. März 2020 auf 82,69 Punkte. Das war der zweithöchste Wert aller Zeiten, übertroffen nur vom Oktober 2008 in der Finanzkrise.

Am 16. März 2020 verlor der S&P 500 in einem einzigen Handelstag fast 12% — der drittgrößte prozentuale Tagesverlust der Indexgeschichte. Der Dow Jones fiel an diesem Tag um fast 3.000 Punkte — der bis dahin größte Tagesverlust in absoluten Zahlen.

Die staatliche Reaktion: Beispiellose fiskal- und geldpolitische Maßnahmen

Was den Corona-Crash fundamental von früheren Crashs unterschied, war die Geschwindigkeit und das Ausmaß der staatlichen Gegenmaßnahmen:

Federal Reserve (USA)

Die Fed reagierte schneller als je zuvor in ihrer Geschichte:

  • 3. März 2020: Notfall-Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte auf 1,00–1,25% — eine Notfallsitzung außerhalb des regulären FOMC-Kalenders.
  • 15. März 2020: Weitere Notfall-Senkung um 1,0 Prozentpunkte auf 0–0,25% — der historische Tiefstand der Nullzinspolitik.
  • 23. März 2020: Die Fed kündigt ein unbegrenztes Anleihekaufprogramm (Quantitative Easing) an und kauft erstmals in ihrer Geschichte auch Unternehmensanleihen und ETFs auf Unternehmensanleihen.

Das Signal der Fed war eindeutig: Sie würde alles tun, was nötig ist, um einen Kollaps der Kreditmärkte zu verhindern. Dieses Signal stabilisierte die Märkte maßgeblich.

Fiskalpolitik USA, Deutschland, Österreich, Schweiz

  • USA (CARES Act): 2,2 Billionen Dollar Konjunkturpaket, verabschiedet am 27. März 2020 — das bis dahin größte Konjunkturpaket der US-Geschichte. Direktzahlungen an Bürger (1.200 Dollar), massive Aufstockung der Arbeitslosenversicherung, Hilfen für Unternehmen.
  • Deutschland: Kurzarbeitsförderung wurde massiv ausgeweitet (auf bis zu 87% des Nettolohns), Soforthilfen für Unternehmen, 600 Milliarden Euro schwerer "Wirtschafts-Stabilisierungsfonds".
  • Österreich: Kurzarbeitsmodell ähnlich Deutschland, Überbrückungskredite, direkte Unternehmenszuschüsse.
  • Schweiz: Kurzarbeit, Corona-Überbrückungskredite (40 Milliarden CHF), direkte Ausfallentschädigungen.

Die Erholung: 5 Monate bis zum neuen Allzeithoch

Was niemand vorherzusagen wagte: Die Märkte erholten sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Das Tief des S&P 500 war am 23. März 2020 — dem Tag, an dem die Fed ihr unbegrenztes QE-Programm ankündigte. Schon in der darauffolgenden Woche begannen die Kurse zu steigen.

23. März 2020

S&P 500-Tief bei 2.237 Punkten

Der Tiefpunkt des Corona-Crashs. Die Fed kündigt an diesem Tag ihr unbegrenztes QE-Programm an. Viele Anleger sind in Panik und haben bereits verkauft oder denken über Verkäufe nach.

März 2020

Mittelabflüsse aus Fonds: Anleger verkaufen auf dem Tiefpunkt

Laut Morningstar-Daten zogen Anleger im März 2020 über 326 Milliarden Dollar aus US-Aktienfonds ab — der größte monatliche Abfluss der Geschichte. Der klassische Herdentrieb: Verkauf auf dem Tiefpunkt.

April–Juli 2020

Starke Erholung trotz anhaltender Pandemieunsicherheit

Der April 2020 war der beste Börsenmonat für den S&P 500 seit 1987. Die Märkte stiegen, obwohl COVID-19-Fallzahlen weiter wuchsen, Lockdowns andauerten und die Arbeitslosigkeit in den USA auf 14,7% stieg — den höchsten Wert seit der Großen Depression.

18. August 2020

S&P 500 überschreitet Allzeithoch vom 19. Februar 2020

Nur fünf Monate nach dem Tief erreicht der S&P 500 neue Allzeithochs. Die Erholung ist damit mehr als dreimal schneller als nach der Finanzkrise 2008 (die 3,5 Jahre dauerte). Wer im März 2020 verkaufte, sitzt auf realisierten Verlusten. Wer durchhielt, hat alles zurück.

Ende 2020

DAX zurück auf Vor-Corona-Niveau

Der DAX schließt das Jahr 2020 bei rund 13.719 Punkten — nahezu exakt auf dem Niveau vom 1. Januar 2020. Wer zu Jahresbeginn eingestiegen war und aushielt, hatte das Jahr quasi flach abgeschlossen, trotz zwischenzeitlichem −40%-Crash.

Sparplan-Anleger: Cost Averaging im Extremfall

Für Anleger mit laufenden ETF-Sparplänen war der Corona-Crash ein Lehrbuch-Beispiel für den Cost-Averaging-Effekt: Wer jeden Monat denselben Betrag in einen ETF investierte, kaufte im März 2020 automatisch zu den tiefsten Kursen des Jahres — und profitierte damit überproportional von der Erholung.

Beispiel: Ein Anleger mit einem monatlichen Sparplan von 500 Euro auf einen MSCI World ETF:

  • Im Januar 2020 kaufte er Anteile zu Höchstkursen (rund 58 Euro pro Anteil, ca. 8,6 Anteile).
  • Im März 2020 kaufte er automatisch zu Tiefkursen (rund 41 Euro pro Anteil, ca. 12,2 Anteile) — 42% mehr Anteile für denselben Betrag.
  • Im August 2020, als die Kurse wieder bei 58 Euro standen, war dieser Kauf bereits 41% im Plus.

Wer seinen Sparplan im März 2020 aus Angst stoppte, verpasste genau diese günstigsten Kaufkurse.

Panikverkauf im März 2020

  • Realisierter Verlust von bis zu 40%
  • Unklarheit: Wann wieder einsteigen?
  • Psychologisch schwer: Kaufen, wenn es weiter fällt?
  • Ergebnis: Vollständige Erholung verpasst
  • Typisches Ergebnis: dauerhafter Kapitalverlust

Durchhalten oder Nachkaufen

  • Kein realisierter Verlust
  • Vollständige Erholung bis August 2020
  • Sparplan kaufte automatisch günstig
  • Nachkäufe im März: +100% bis Ende 2021
  • Typisches Ergebnis: deutliche Überrendite

Die wichtigsten Lektionen des Corona-Crashs

1. Die schlimmste Phase ist meist kurz. Der gesamte Crash dauerte 33 Handelstage — weniger als zwei Monate. Wer eine Woche zu spät verkaufte (nach dem Tief), kaufte sich wieder in die Erholung ein.

2. Zentralbanken handeln in Krisen mit allen Mitteln. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Fed-Reaktion war historisch. Moderne Zentralbanken haben de facto unbegrenzte Werkzeuge, um einen Totalzusammenbruch der Finanzmärkte zu verhindern.

3. Sparplan-Anleger kaufen günstig ohne emotional zu entscheiden. Der Automatismus des Sparplans kaufte im März 2020 zu Tiefstkursen — ohne dass der Anleger eine mutige Entscheidung treffen musste.

4. Der Wiedereinstieg nach dem Verkauf ist das eigentliche Problem. Wer im März verkaufte, stand danach vor der Frage: Wann wieder einsteigen? Und wer kauft, wenn die Kurse schon wieder gestiegen sind und man immer noch unsicher ist? Meist zu spät — oder gar nicht mehr.

Häufige Fragen zum Corona-Crash 2020 (FAQ)

Wann begann der Corona-Crash und wie stark war der Rückgang?

Der Corona-Crash begann am 20. Februar 2020, als die globale Ausbreitung von COVID-19 den Märkten klar wurde. Der S&P 500 fiel in den folgenden 33 Handelstagen um 34% — vom Allzeithoch am 19. Februar 2020 bei 3.386 Punkten auf das Tief am 23. März 2020 bei 2.237 Punkten. Der DAX verlor in rund vier Wochen über 40%, von 13.789 auf 8.256 Punkte. Der österreichische ATX fiel um rund 45%, der Schweizer SMI um rund 30%. Es war der schnellste Bärenmarkt der modernen Börsengeschichte.

Wie schnell erholten sich die Märkte nach dem Corona-Crash?

Die Erholung war ebenso rekordverdächtig wie der Crash: Der S&P 500 erreichte bereits am 18. August 2020 — nur fünf Monate nach dem Tief im März — neue Allzeithochs bei 3.389 Punkten. Das war die schnellste Erholung von einem Bärenmarkt in der Geschichte des S&P 500. Zum Vergleich: Nach der Finanzkrise 2008/09 dauerte die Erholung 3,5 Jahre; nach der Dotcom-Blase sogar 15 Jahre. Der DAX erholte sich bis Ende 2020 vollständig.

Was hat die Fed nach dem Corona-Crash unternommen?

Die US-Notenbank Fed reagierte mit der schnellsten und umfangreichsten geldpolitischen Lockerung ihrer Geschichte: Am 3. März 2020 senkte sie die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte in einer Notfallsitzung. Am 15. März 2020 folgte eine weitere Senkung um 1 Prozentpunkt auf 0–0,25% (effektiv Nullzinspolitik). Am 23. März 2020 startete die Fed ein unbegrenztes Anleihekaufprogramm (QE) und kaufte erstmals in ihrer Geschichte auch Unternehmensanleihen und ETFs auf Unternehmensanleihen. Parallel dazu öffnete die Fed Kreditlinien (Repo-Fazilitäten) für Geldmarktfonds und andere systemrelevante Marktteilnehmer.

Wer hat vom Corona-Crash profitiert?

Wer im März 2020 kaufte oder seinen ETF-Sparplan weiterlaufen ließ, profitierte enorm: Der S&P 500 verdoppelte sich vom März-Tief 2020 bis Ende 2021. Besonders stark liefen Technologiewerte — Zoom (von 80 auf über 500 Dollar), Shopify, Netflix und die FAANG-Aktien. Sparplan-Anleger kauften im März 2020 automatisch zu Tiefkursen und profitierten vom Cost-Averaging-Effekt: Sie bekamen für denselben Monatsbetrag deutlich mehr Anteile als zu Jahresbeginn. Wer im März 2020 gezielt nachkaufte, erzielte bis Ende 2021 Renditen von 100% und mehr.

Was war die wichtigste Lektion des Corona-Crashs für Langfristanleger?

Die wichtigste Lektion: Wer im März 2020 in Panik verkaufte, realisierte Verluste von bis zu 40% und verpasste gleichzeitig die schnellste und stärkste Erholung der Geschichte. Die Erholung erfolgte innerhalb von nur fünf Monaten — wer verkaufte, saß auf realisierten Verlusten und stand vor dem psychologisch schwierigen Problem, den richtigen Wiedereinstiegszeitpunkt zu finden. Meist gelang das nicht. Langfristig orientierte Anleger, die ihre Strategie beibehielten und nicht verkauften, wurden vollständig entschädigt. Wer einen laufenden Sparplan hatte, kaufte automatisch zu Tiefkursen.